ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2018Medizingeschichte: Fünf Bände zur Medizin in der neuzeitlichen Literatur

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Medizingeschichte: Fünf Bände zur Medizin in der neuzeitlichen Literatur

Dtsch Arztebl 2018; 115(40): A-1764 / B-1481 / C-1467

Krannich, Hans-Walter

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Das Thema „Medizin in der Literatur der Neuzeit“ in den Griff zu bekommen, kann nur gelingen, wenn Wissen im Laufe vieler Jahrzehnte auf den Gebieten der Medizin, der Psychologie, der Psychotherapie, der Philosophie und Religionen, kurz der Lebenswissenschaften und des Geschriebenen (Literatur) erworben wurde. Prof. Dr. phil. med. habil. Dietrich von Engelhardt, ausgewiesener Medizinhistoriker und -ethiker, hat sich dieser Aufgabe gestellt und in gewohnt souveräner Weise zu Papier gebracht. Auf 2 968 Seiten in fünf Bänden, vier ausschließlich nur aus seiner Feder stammend, analysiert er die Literatur der Neuzeit, das heißt von der Renaissance bis heute. Medizin im umfassenden Sinne mit all ihren Akteuren, ihren vielfältigen An- und Herausforderungen an die Conditiones humanae findet sich bis heute in der Weltliteratur als Lebens- und Sterbekunst, der Kunst des Krankseins und des Beistandes.

Band I, „Darstellung und Deutung“, gilt der Wiedergabe der Medizin respektive deren wichtigsten Themen beziehungsweise Anliegen und Aufgaben: etwa die Kapitel „Der Kranke und seine Krankheit“, „Krebs“, „Das kranke und sterbende Kind“. Band II enthält die erste (!) übergreifende, internationale Bibliografie der wissenschaftlichen Literatur zur Medizin vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Mit 15 000 wissenschaftlichen Arbeiten von 12 000 Autoren sowie einem angefügten Sach- und Personenregister darf sie als bislang weltweit einzigartig bezeichnet werden. Band III, „Anthologie literarischer Texte“, enthält Auszüge aus Romanen oder Erzählungen. Dabei sind die Texte beispielhaften Themen zugeordnet, etwa „Kranker und Krankheit“, „Arzt und Therapie“, „Sozialkultureller Kontext“. Vorangestellt sind allgemeine Einführungen und spezifische Hinweise. Band IV, „Wissenschaftliche Studien“, enthält Arbeiten renommierter, internationaler Autoren zur Medizin in der Literatur. Achtundvierzig, zum Teil muttersprachlich abgefasste Beiträge entstammen allen Wissenschaften, nicht nur den Literaturwissenschaften. Band V, „Themen, Autoren, Werke“, enthält ein thematisches Register, einen relevanten „Kanon“ der Themen von A: Absenz bis Z: Zahnmedizin. Ein Verzeichnis („Autoren und ihre Werke“) schließt dieses komplexe Kompendium ab, für das Achim von Armins „Alles im Einzelnen ist gut, alles verbunden ist groß.“ auf das Trefflichste gilt.

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Dieses monumentale Werk, Ergebnis jahrzehntelanger Forschungs- und Hochschularbeit, ist eine schier unerschöpfliche Fundgrube, ein Nachschlagewerk, eine Arbeitshilfe, Rat- und Impulsgeber für Medizinhistoriker, Ärzte, medizinische Fachberufe, insbesondere für Literaturwissenschaftler, Philosophen, Theologen, Gesunde wie Kranke, alle Freunde großer Literatur, für jeden Neugierigen auf der Bühne des Lebens mit allen Höhen und Tiefen, für „Suchende“, die hier fündig werden. Dietrich von Engelhardt zitiert die „tröstliche Einsicht Goethes“ auf der italienischen Reise (1787): „So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig. Man muss sie für fertig halten, wenn man nach Zeit und Umständen das Mögliche getan hat.“ Hans-Walter Krannich

Dietrich von Engelhardt: Medizin in der Literatur der Neuzeit. Mattes Verlag, Heidelberg 2018, 2 968 Seiten, gebunden, 225 € (Gesamtwerk; Band I–V auch einzeln erhältlich)

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