ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenDiabetologie 2/2018Insulinpumpentherapie: Erfolgreich Patienten schulen mit evaluiertem Programm

Supplement: Perspektiven der Diabetologie

Insulinpumpentherapie: Erfolgreich Patienten schulen mit evaluiertem Programm

Dtsch Arztebl 2018; 115(41): [31]; DOI: 10.3238/PersDia.2018.10.12.07

Eckert, Nadine

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Erstmals können Insulinpumpen-Patienten an Schulungsmaßnahmen teilnehmen, deren Nutzen überprüft wurde. Dies dient dazu, sie aktiv einzubeziehen und besser zu motivieren.

Bereits seit etwa 30 Jahren gibt es die Insulinpumpentherapie für Patienten mit Diabetes mellitus. Dennoch habe es „überraschenderweise bislang völlig an einem standardisierten, niedergeschriebenen und getesteten Schulungsprogramm gefehlt“, sagte Prof. John Pickup, King’s College London, anlässlich des Diabetes Kongress 2018 in Berlin. „Viele Patienten erreichen nicht die beste Kontrolle, die sie erreichen könnten. Ein Edukationsprogramm könnte dies ändern“, betonte der britische Diabetologe, der Ende der 1970er-Jahre die weltweit erste Insulinpumpe entwickelt hat.

Ab Sommer 2018 wird ein solches evaluiertes Schulungs- und Behandlungsprogramm für Menschen mit Insulinpumpentherapie nun erstmals zur Verfügung stehen. Dr. Dominic Ehrmann, Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), stellte die Ergebnisse der Evaluationsstudie vor: Sie zeigen, dass das Programm namens INPUT den HbA1c-Wert verringert und darüber hinaus schwere Hypoglykämien reduziert und die Behandlungskompetenz der Patienten verbessert.

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In die randomisierte Evaluationsstudie wurden 268 Diabetespatienten mit Insulinpumpentherapie ab 16 Jahren aus insgesamt 26 Studienzentren eingeschlossen. Sie hatten bereits eine Schulung zu ihrer Insulinpumpe erhalten, der HbA1c lag ≥ 7,5 %. Der primäre Endpunkt war die Verbesserung des HbA1c-Wertes über 6 Monate Follow-up.

In der INPUT-Gruppe sank der HbA1c von durchschnittlich 8,33 auf 8,04 %, in der Kontrollgruppe von durchschnittlich 8,33 auf 8,27 %. Die Differenz zwischen INPUT- und Kontrollgruppe von −0,22 % war signifikant. Ob dieser Unterschied neben der statistischen Signifikanz auch klinisch bedeutsam ist, beantwortete Ehrmann mit einem klaren Ja. Denn eine Verbesserung um 0,2–0,3 % sei auch das, was man mit der Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie erreiche. Außerdem habe sich gezeigt, dass Patienten über eine große HbA1c-Range von der Schulung profitieren.

Auch bei den sekundären Endpunkten schnitten die INPUT-geschulten Patienten besser ab: Schwere Hypoglykämien gingen zurück, und auch psychosoziale Endpunkte wie diabetische Belastungen und Depressivität, Verbesserung des Selbstmanagements und Empowerment oder Zufriedenheit verbesserten sich. Außerdem wurde nach der Schulung Pumpenausstattung, die zuvor kaum oder gar nicht genutzt wurde, vermehrt angewendet, etwa die temporäre Basalrate oder die Bolusoptionen.

INPUT basiert auf dem Empowerment-Ansatz: Patienten werden aktiv mit in die Schulung einbezogen und sollen so lernen, selbstbestimmt mit ihrer Insulinpumpe und ihrem Diabetes umzugehen. „Ziel ist es, auch Lösungsstrategien in dem Schulungsprogramm zu entwickeln, die es Patienten ermöglichen, im Alltag auftretende Probleme selbstständig zu lösen“, erläuterte FIDAM-Geschäftsführer Prof. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim. Die Schulung besteht aus 12 Kursstunden à 90 Minuten, mit wöchentlich 1–2 Terminen dauert sie 6–12 Wochen. Die 3–8 Teilnehmer erhalten für die Zeit zwischen den Kursstunden Übungsaufgaben.

Inhaltlich sieht die Schulung das gemeinsame Besprechen der Glukosewerte vor, die Datenanalyse und das Erkennen von Mustern werden geübt, die technischen Möglichkeiten der Insulinpumpe erforscht und die KE-Schätzfähigkeit trainiert. Außerdem haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich über Erfahrungen auszutauschen. Die FIDAM bietet bundesweit regionale Train-the-trainer-Seminare an. Für diese Kurse wird bei den Ärztekammern jeweils eine Zertifizierung beantragt.

Auch Mitglieder des Verbands für Diabetesberatungs- und Schulungsberufe e. V. (VDBD) erhalten Fortbildungspunkte. Die Teilnehmer erlangen ein Zertifikat, das sie zur Abrechnung von INPUT berechtigt, sobald es in die KV-Verträge aufgenommen wird. Alle Materialien des vom FIDAM mit Unterstützung der Berlin-Chemie AG entwickelten Schulungs- und Behandlungsprogrammes INPUT können unter www.kirchheim-verlag.de bestellt werden. Eine INPUT-App ist in Entwicklung.

DOI: 10.3238/PersDia.2018.10.12.07

Nadine Eckert.

Entwickelt wurde INPUT vom Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Mergentheim (FIDAM) mit Unterstützung der Berlin-Chemie AG. An dem 6-jährigen Entwicklungsprozess waren maßgeblich Diabetologen und Diabetesberaterinnen aus ganz Deutschland beteiligt; wichtig war zudem das direkte Feedback der Patienten.

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