ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2018Kein evidenter Zusammenhang
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Der Beitrag (1) schreibt ein Menetekel über Fußballsport, vielleicht auch sonstigen Sport im Wachstumsalter: Fußball mache O-Beine, aus den O-Beinen der Jugendlichen würden Kniearthrosen der Erwachsenen. Nur: Das geben weder die Daten her, noch gibt es Evidenz für die Konsequenzen. In die Metaanalyse flossen Fall-Kontroll-Studien ein, die ohne Längsschnittuntersuchungen nicht geeignet sind, Kausalitäten (hier: zwischen Fußball und O-Beinverstärkung) herzustellen.

Der Zusammenhang zwischen O-Bein und späterer Kniearthrose ist nicht evident. In dem zitierten Review von Tanamas et al. (2) erbrachte nur eine von 14 eingeschlossenen Studien eine Risikoerhöhung für die Entstehung einer Kniearthrose durch Beinfehlstellungen, allerdings auch nur bei übergewichtigen Personen. Andere Längsschnittstudien wie zum Beispiel die von Hunter et al. (3) konnten die Risikoerhöhung nicht belegen.

Der orthopädische Mythos, dass O- und X-Beine Kniearthrose fördern würden, ergibt sich aus der ex-post-Sicht, nämlich der akzentuierten Beinfehlstellung bei Kniearthrose. Es gilt also: O- und X-Beine machen keine Kniearthrose, aber Kniearthrose macht O- und X-Beine.

Aus dem Mehr von 1,5 cm Abstand zwischen den inneren Kniekondylen sollte also kein Drama des jugendlichen Fußballspielens werden. Es sind Kreuzbandverletzungen und insbesondere Meniskusverlust – egal ob durch Trauma oder iatrogen, die Kniearthrose erheblich fördern. Und: Gesicherten Einfluss auf die Förderung der Kniearthrose haben neben dem Alter Übergewicht und Adipositas (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0683a

Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf

Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie,

Universitätsklinikum Heidelberg

marcus.schiltenwolf@urz.uni-heidelberg.de

1.
Thaller PH, Fürmetz J, Chen F, Degen N, Manz KM, Wolf F: Bowlegs and intensive football training in children and adolescents—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 401–8 VOLLTEXT
2.
Tanamas S, Hanna FS, Cicuttini FM, Wluka AE, Berry P, Urquhart DM: Does knee malalignment increase the risk of development and progression of knee osteoarthritis? A systematic review. Arthritis Rheum 2009; 61: 459–67 CrossRef MEDLINE
3.
Hunter DJ, Niu J, Felson DT, et al.: Knee alignment does not predict incident osteoarthritis: the Framingham osteoarthritis study. Arthritis Rheum 2007; 56: 1212–8 CrossRef MEDLINE
4.
Schiltenwolf M, Liebers F, Bolm-Audorff U, et al.: Welche konkurrierenden Faktoren sind bei der Begutachtung der Gonarthrose zu berücksichtigen? In: Schiltenwolf M, Grosser V, Thomann KD (eds.): Berufskrankheit Gonarhtorse (BK 2112). Frankfurt am Main: Referenz Verlag 2012.
1.Thaller PH, Fürmetz J, Chen F, Degen N, Manz KM, Wolf F: Bowlegs and intensive football training in children and adolescents—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 401–8 VOLLTEXT
2.Tanamas S, Hanna FS, Cicuttini FM, Wluka AE, Berry P, Urquhart DM: Does knee malalignment increase the risk of development and progression of knee osteoarthritis? A systematic review. Arthritis Rheum 2009; 61: 459–67 CrossRef MEDLINE
3.Hunter DJ, Niu J, Felson DT, et al.: Knee alignment does not predict incident osteoarthritis: the Framingham osteoarthritis study. Arthritis Rheum 2007; 56: 1212–8 CrossRef MEDLINE
4.Schiltenwolf M, Liebers F, Bolm-Audorff U, et al.: Welche konkurrierenden Faktoren sind bei der Begutachtung der Gonarthrose zu berücksichtigen? In: Schiltenwolf M, Grosser V, Thomann KD (eds.): Berufskrankheit Gonarhtorse (BK 2112). Frankfurt am Main: Referenz Verlag 2012.

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