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Unser Beitrag geht Hinweisen nach, die darauf hindeuten, dass Fußball als Leistungssport bei Heranwachsenden das Risiko zur Ausbildung eines Genu varum erhöht. Hierbei wird Freizeitsport ausdrücklich ausgeschlossen und der hohe Stellenwert von Sport für die Entwicklung Heranwaschsender betont (1). Dem Thema und dem Zeitpunkt der Publikation entsprechend war die unmittelbare Berichterstattung in den Medien erwartungsgemäß hoch. Eine hoffentlich rege, wissenschaftliche Diskussion wird naturgemäß auf sich warten lassen. Umso mehr bedanken wir uns für das bisherige Feedback aus den Fachkreisen und nehmen gerne Stellung zu den beiden Diskussionsbeiträgen.

Wir danken Herrn Prof. Lahm für die Ergänzungen zu unserem Beitrag. Richtig: Die Beinachse ist das zentrale Thema unseres hier diskutierten Beitrages. Sie ist der wichtigste Parameter im Kontext kniegelenksnaher Deformitäten im klinisch/anatomischen und im radiologischen Kontext. Die Begriffe (mechanische) Beinachse oder Mikulicz-Linie werden unter anderen Begriffen synonym verwendet. Der Goldstandard zur Bestimmung der mechanischen Beinachse ist die radiologische Ganzbeinstandaufnahme (2). Diese ist jedoch keine Option für Studien im Kontext mit gesunden Jugendlichen. Somit kamen im Beitrag lediglich klinische Untersuchungen zur Auswertung. Den „röntgenologische Kriterien“ konnte somit aus Gründen der Reduktion auf das Wesentliche leider eben kein „breiter Raum“ eingeräumt werden: In nur einem Satz auf S. 403 und in Teilen in einem Absatz auf S. 406. Die mechanische Beinachse wurde in Grafik 2 aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht eingezeichnet/benannt. Hingegen hätte sie im abgebildeten klinischen Fall auf S. 406 Erwähnung finden können. Hier fiel das schöne Spätergebnis nach beidseitiger Umstellung (mit beidseits, klinisch und radiologisch zentrierter Beinachse) ebenfalls der Beschränkung auf das Wesentliche zum Opfer.

Ebenso bedanken wir uns bei Prof. Schiltenwolf für seine Ausführungen. Unser Beitrag enthält tatsächlich einen vorsichtigen Mahnruf. Vorsichtig, weil die Literatur zum Thema tatsächlich noch dünn gesät ist, Mahnruf weil die Metaanalyse eine klare Richtung erkennen lässt. Bei der Frage nach dem Stellenwert eines Genu varum haben wir die Hypothese, dass Abweichungen der Beinachse Kniegelenksarthrose begünstigen, gemäß der vorliegenden Evidenz vorsichtig dargestellt. Eine im Beitrag aus Platzgründen nicht genannte Arbeit stützt die Hypothese auch auf der Basis von Ganzbeinstandaufnahmen (3). Falls sich eine klare Aussage gegen diese Hypothese lediglich auf die zitierte Arbeit „Knee alignment does not predict incident osteoarthritis” von 2007 stützt, seien hier allerdings methodische Schwächen dieser Arbeit anzumerken. Eine Schwäche der sogenannten „Framingham osteoarthritis study“ ist die Bestimmung der Beinachse mit Hilfe der Ausschnittsaufnahmen des Kniegelenkes. Hier sei nochmals betont, dass im Gegensatz zur Ganzbeinstandaufnahme (2) die Ausschnittaufnahme unilateraler Kniegelenke weniger geeignet ist, um die Beinachse zu bestimmen (4).

Am Ende bleibt wie so oft der Wunsch nach weiterer, qualitativ hochwertiger Forschung.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0684

Für die Autoren

Dr. med. Peter Helmut Thaller
Arbeitsgruppe 3D-Chirurgie
Klinik für Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
Campus Innenstadt, pthaller@med.lmu.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Diskussionsbeiträge geben an, dass kein
Interessenkonflikt besteht.

1.
Thaller PH, Fürmetz J, Chen F, Degen N, Manz KM, Wolf F: Bowlegs and intensive football training in children and adolescents—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 401–8 VOLLTEXT
2.
Thaller PH, Baumgart R, Burghardt R, Knuellig S, Buerklein D, Mutschler W: Digital imaging in lower limb bone deformities—standards and new perspectives. ELSEVIER International Congress Series 2005; 1281: 154–8 CrossRef
3.
Sharma L, Song J, Felson DT, Cahue S, Shamiyeh E, Dunlop DD: The role of knee alignment in disease progression and functional decline in knee osteoarthritis. JAMA 2001; 286: 188–95 CrossRef
4.
Zampogna B, Vasta S, Amendola A, et al.: Assessing lower limb alignment: comparison of standard knee xray vs long leg view. Iowa Orthop J 2015; 35: 49–54 MEDLINE PubMed Central
1.Thaller PH, Fürmetz J, Chen F, Degen N, Manz KM, Wolf F: Bowlegs and intensive football training in children and adolescents—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 401–8 VOLLTEXT
2.Thaller PH, Baumgart R, Burghardt R, Knuellig S, Buerklein D, Mutschler W: Digital imaging in lower limb bone deformities—standards and new perspectives. ELSEVIER International Congress Series 2005; 1281: 154–8 CrossRef
3.Sharma L, Song J, Felson DT, Cahue S, Shamiyeh E, Dunlop DD: The role of knee alignment in disease progression and functional decline in knee osteoarthritis. JAMA 2001; 286: 188–95 CrossRef
4.Zampogna B, Vasta S, Amendola A, et al.: Assessing lower limb alignment: comparison of standard knee xray vs long leg view. Iowa Orthop J 2015; 35: 49–54 MEDLINE PubMed Central

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