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Dem überweit gefassten Titel folgt ein irreführender Artikel, der mehr Fragen übergeht und Sachverhalte verzerrt darbietet als sie offenzulegen, zu klären oder Wege zur Klärung zu zeigen.

Beide Tabellen trennen zum Beispiel die Gruppe der Psychopharmaka in kaum nachvollziehbarer Weise, zum Teil gar mit pharmakologisch/pharmazeutisch außerordentlich fragwürdiger Zuordnung: Tabelle 1 sortiert „dämpfend wirkende Psychopharmaka“ getrennt von „Psychoanaleptika (Antidepressiva)“, summiert kommen die Psychopharmaka (ohne Antiepileptika) hier auf 13,9 %. In Tabelle 2 gibt es eine nochmals andere Sortimentierung: Diazepine werden zusammen mit Clozapin beziehungsweise Olanzapin aufgeführt, dagegen wird Risperidon von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) getrennt und so weiter. Auch hier entfallen auf die gesamte Psychopharmaka-Gruppe (ohne Antikonvulsiva) rund 9 beziehungsweise 5 %. Eine künstliche Teilung der Meldequoten sorgt also wiederholt eher für Unschärfe als für Aussagekraft bei der differenzierenden Abhandlung zum fraglos komplexen Thema.

Die Problematik von Interaktionen wird vollkommen ausgeblendet: Der erfahrungsgemäß beträchtliche Anteil bestimmter Mehrfachmedikationen beziehungsweise Kombinationen (nicht zuletzt bei der Psychopharmaka-Therapie) wird weder unter dem Abschnitt Methode noch in der Diskussion gewürdigt oder quantifiziert.

Die Relevanz der quotenartig gegliederten Arzneimittelnebenwirkungen hinsichtlich vitaler Bedrohlichkeit, Ausmaß eingeschränkter Lebensqualität, Arbeitsunfähigkeit, notfallbedingter Hospitalisierung und Folgekosten bleibt im stattlichen Zahlenwerk bedauerlicherweise vollkommen unbeachtet.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0682a

Dr. med. Burger Lichtenstein

Facharzt für Innere Medizin i. R.

Sombartstraße 9

70565 Stuttgart

b.lichtenstein@posteo.de

1.
Dubrall D, Schmid M, Alešik E, Paeschke N, Stingl J, Sachs B: Frequent adverse drug reactions, and medication groups under suspicion—a descriptive analysis based on spontaneous reports to the German Federal Institute for Drugs and Medical Devices from 1978–2016. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 393–400 VOLLTEXT
1.Dubrall D, Schmid M, Alešik E, Paeschke N, Stingl J, Sachs B: Frequent adverse drug reactions, and medication groups under suspicion—a descriptive analysis based on spontaneous reports to the German Federal Institute for Drugs and Medical Devices from 1978–2016. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 393–400 VOLLTEXT

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