ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2018Augenheilkunde: Funktionelle Sehstörungen bei Kindern

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Augenheilkunde: Funktionelle Sehstörungen bei Kindern

PP 17, Ausgabe Oktober 2018, Seite 436

Hillienhof, Arne

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Manchmal steckt ein seelischer Konflikt hinter Sehproblemen. Foto: Marina Lohrbach/stock.adobe.com
Manchmal steckt ein seelischer Konflikt hinter Sehproblemen. Foto: Marina Lohrbach/stock.adobe.com

Bei rund ein bis zwei Prozent aller Kinder, die sich in augenärztliche Behandlung begeben, stecken hinter den Sehproblemen nicht körperliche Ursachen, sondern ein seelischer Konflikt. Auf diese Expertenschätzung weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hin. Mädchen seien von solchen funktionellen Sehstörungen häufiger betroffen als Jungen.

Meist ist der Augenarzt die erste Anlaufstelle, wenn Kinder über Sehprobleme klagen. Er kläre dann, ob ein organischer Grund für die Verschlechterung vorliege, erläuterte die Präsidentin der DOG, Dr. med. Nicole Eter. Mitunter zeige sich dann, dass Hornhaut, Linse, Sehnerv und Makula in Ordnung seien und auch keine Fehlsichtigkeit vorliege. „Nun aber gleich an schwere Erkrankungen wie Hirntumor oder Multiple Sklerose zu denken und eine aufwendige Diagnostik etwa in Form von Kernspintomografie oder Rückenmarkspunktion zu bemühen, wäre der falsche Weg“, erläuterte der Neuro-Ophthalmologe Prof. Dr. med. Helmut Wilhelm von der Universitäts-Augenklinik Tübingen. Vielmehr sollte der Augenarzt zunächst versuchen, aktiv zu beweisen, dass die Sehfunktion eigentlich intakt ist. Er könne durch verschiedene Untersuchungsstrategien Situationen schaffen, in denen erkennbar werde, dass subjektive Aussagen zu Sehschärfe oder zum Gesichtsfeld nicht mit objektiven Befunden übereinstimmten. In den seltensten Fällen handle es sich dabei um eine bewusste Täuschung, sondern in der Regel leide das Kind vielmehr unter einem inneren Konflikt. Nach Angaben der Fachgesellschaft stehen bei den Ursachen innerfamiliäre Konflikte sowie Schulprobleme an erster und zweiter Stelle.

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In etwa 90 Prozent der Fälle verschwänden die Beschwerden entweder von selbst oder nach einer kurzen Placebotherapie beispielsweise mittels einer nicht notwendigen Brille oder wirkstofffreien Augentropfen. hil

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