ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2018Kinder- und Jugendhilfe: Mehr Fälle wegen Kindeswohlgefährdung

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Kinder- und Jugendhilfe: Mehr Fälle wegen Kindeswohlgefährdung

PP 17, Ausgabe Oktober 2018, Seite 438

afp

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Die meisten Kinder, bei denen Kindeswohlgefährdung vorliegt, weisen Anzeichen von Vernachlässigung auf. Foto: dpa
Die meisten Kinder, bei denen Kindeswohlgefährdung vorliegt, weisen Anzeichen von Vernachlässigung auf. Foto: dpa

Die Jugendämter in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich häufiger eine Gefährdung des Kindeswohls geprüft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden stieg die Zahl der entsprechenden Verfahren im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent auf 143 300 Verfahren. Die Zahl der am Ende bestätigten Fälle von Kindeswohlgefährdung sank hingegen leicht um 0,1 Prozent auf rund 45 700. Insgesamt stuften die Behörden rund 21 700 Fälle im vergangenen Jahr eindeutig als akute Gefährdung des Kindeswohls ein. Bei knapp 24 100 Verfahren konnte eine Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden.

Die Jugendämter sind verpflichtet, bei Kindeswohlgefährdungen zunächst mit Unterstützung und Hilfsangeboten einzugreifen. Sind die Eltern nicht in der Lage oder nicht bereit zu kooperieren, entscheidet das Familiengericht. Die meisten der rund 45 800 Kinder, bei denen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung vorlag, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (60,8 Prozent). In knapp einem Drittel der Fälle (29,6 Prozent) wurden Anzeichen für psychische Misshandlungen festgestellt wie beispielsweise Demütigungen, Einschüchterung, Isolierung und emotionale Kälte.

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Etwas seltener (26,0 Prozent) wiesen die Kinder Anzeichen für körperliche Misshandlung auf. Anzeichen für sexuelle Gewalt wurden in 4,5 Prozent der Fälle von Kindeswohlgefährdung festgestellt. Mehrfachnennungen waren hierbei möglich.

Fast jedes vierte Kind, für das ein Verfahren wegen Kindeswohlgefährdung eingeleitet wurden, hatte das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet. Bei den drei- bis fünfjährigen Kindern war es ein Fünftel. In gut jedem vierten Fall waren die Kinder im Grundschulalter. Mit zunehmendem Alter nehmen die Gefährdungseinschätzungen dann wieder ab. afp

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