ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2018Alkohol, illegale Drogen, Internet: Suchtkranke Kinder und Jugendliche schlecht versorgt

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Alkohol, illegale Drogen, Internet: Suchtkranke Kinder und Jugendliche schlecht versorgt

Bühring, Petra

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Experten haben eine mangelnde Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Suchterkrankungen kritisiert. „Es mangelt an jugendspezifischen Versorgungseinrichtungen, an Angeboten zur Rehabilitation und an Betten für die Entzugsbehandlung der Zwölf- bis 17-Jährigen“, erklärte Prof. Dr. med. Rainer Thomasius vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Lediglich etwa 200 Betten stünden für die stationäre kinder- und jugendpsychiatrische sowie psychotherapeutische Suchtbehandlung zur Verfügung. In vielen Regionen fehlten ambulante Therapieangebote und stationäre Therapieplätze, obwohl das Jugendalter eine besonders kritische Lebensphase für die Entwicklung von Suchterkrankungen sei, die häufig zu chronischen psychischen Störungen werden könnten. Zudem erweitere sich das Spektrum an Abhängigkeitserkrankungen. Zu den substanzgebundenen Süchten kommen vor allem Internet-, Social-Media- und Computerspielsucht. „Wir sind dafür bei Kindern und Jugendlichen bisher schlecht aufgestellt“, erklärte Thomasius.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen könnten als Folge des Drogenmissbrauchs ein gestörtes Sozialverhalten, Depressionen und Impulskontrollstörungen auftreten. Auch Ängste, soziale Phobien, Essstörungen sowie beispielsweise durch Cannabis oder Ecstasy ausgelöste Psychosen und schizophrene Psychosen seien mögliche Folgeerkrankungen.

„Eine effektive Suchtprävention muss Familie, Schule und Freizeiteinrichtungen einbeziehen“, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie, Peter Missel. Zusätzlich sei eine engere Vernetzung zwischen dem medizinischen Versorgungssystem sowie der Jugend- und Suchthilfe notwendig. „Jugendliche dürfen nicht aus dem Therapieraster fallen, wenn sie volljährig werden. Wir müssen eine Anschlussbehandlung nach Beendigung einer voll- oder teilstationären Therapie für Jugendliche mit suchtbedingten psychischen Erkrankungen gewährleisten“, sagte Missel. PB

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