ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2018Psychosomatische Medizin: Denkanstöße zu den sozialen Aspekten von Krankheit

BÜCHER

Psychosomatische Medizin: Denkanstöße zu den sozialen Aspekten von Krankheit

PP 17, Ausgabe Oktober 2018, Seite 475

Koch, Joachim

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In diesem Buch geht es besonders um den sozialen Aspekt, also die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen psychosomatischer Störungen. Die sind im Vergleich zu biologischen und psychologischen Aspekten weit weniger im Zentrum des Interesses gewesen. Die Autoren verdeutlichen in ihrem Vorwort, dass die Entstehungsbedingungen psychischer Erkrankungen heute noch nicht ausreichend geklärt sind und dass soziale Spannungen große Probleme verursachen. Damit ist die Psychosomatik gefordert, sich den sozialen Aspekten von Krankheiten zu widmen und so zur Lösung drängender Probleme in der Gesellschaft beizutragen.

In dem Buch sind 22 Aufsätze in fünf Abschnitten geordnet. Leider stehen die einzelnen Beiträge doch recht unverbunden nebeneinander. Die Herausgeber gestehen ein, dass sie kein Lehrbuch verfasst haben, sondern das Buch als einen bunten Strauß von Denkanstößen für Tätigkeitsfelder der psychosomatischen Medizin konzipiert haben. Trotz dieses Mankos bieten viele Aufsätze wichtige Einsichten und spezielle Perspektiven sozialer Aspekte psychischer Erkrankungen. In drei Aufsätzen geht es um die sozioökonomische Perspektive, hier sind die negativen Auswirkungen der Hartz-IV-Gesetze auf die Gesundheit ein bedeutendes Thema. In seinem Aufsatz zu Arbeitswelt und psychosomatischen Krankheiten zeigt Johannes Siegrist zwei Modelle auf, nach denen psychosozialer Arbeitsstress einen eigenständigen Beitrag zur Entwicklung psychosomatischer Krankheiten leistet. Hilfe bieten Maßnahmen zur Belastungsminderung und Ressourcenstärkung. Weil diese Maßnahmen jedoch nicht zu einer Lösung der strukturellen Bedingungen beitragen, die zur Erhöhung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren geführt haben, wird die Sicht auf weitergehende Maßnahmen gelenkt, bei denen sich die Ärzteschaft zu einem politischen Handeln bekennt.

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Jochen Schweitzer-Rother regt in seinem Aufsatz an, die gesellschaftspolitische Reflektion in den Alltag von Psychotherapie, Sozialer Arbeit und Coaching zu integrieren, was Betroffenen dabei helfen kann, ihre Probleme unter anderem auch in ihren gesellschaftspolitischen Zusammenhängen zu verstehen, anstatt diese unangemessen selbstbeschuldigend zu internalisieren. Im neo-liberalen Kapitalismus müssen sich Psychotherapeuten verstärkt auf verarmte Klienten einstellen. Joachim Koch

Elmar Brähler, Wolfgang Herzog (Hrsg.): Sozialpsychosomatik. Das vergessene Soziale in der Psychosomatischen Medizin. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, 353 Seiten, gebunden, 49,99 Euro

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