ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2018Kinder und Jugendliche: Karten zur Ergänzung einer Psychotherapie

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Kinder und Jugendliche: Karten zur Ergänzung einer Psychotherapie

PP 17, Ausgabe Oktober 2018, Seite 472

Menke, Moritz-S.

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„Was denkst du dir?“, fragen die Autoren in dem Paket, bestehend aus einem 60-teiligem Kartenset, das dazu dienen soll, Kognitionen zu benennen, zu differenzieren und zu thematisieren. Das Set beinhaltet zudem ein Booklet und Onlinematerialien. Beim Betrachten, Ausprobieren in Therapiesitzungen und in Gesprächen mit Kollegen wurden die ersten Eindrücke des Rezensenten überprüft: Kognitionen sind vielseitiger und hoch-individueller, als dass sie auf eine Karte in Form von Zeichnung und Beschreibung gedruckt werden können.

Auf der einen Seite der Karten ist ein Gedanke zu lesen (zum Beispiel „ich sterbe“), auf der anderen Seite sehen wir in diesem Beispiel dazugehörig einen Jungen und einen an der Wand lehnenden Sarg gezeichnet. Zweites Beispiel: auf der Karte sehen wir einen Jungen am Tisch sitzend und mit einem Stift in der Hand, dessen Blick aus dem Fenster auf einen singenden Vogel gerichtet ist. Die Kognition auf der Rückseite: „Ich bin unkonzentriert“. Die Sprache der Karten weicht von der von Kindern benutzten Sprache deutlich ab, und die Zeichnungen lassen selbst bei Erwachsenen nicht immer einen Zusammenhang zu dem erkennen, was die Autoren vorschreiben.

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Die Autoren beschreiben im beiliegenden Booklet verschiedene Techniken, wie mit dem Kind über die Karte ins Gespräch zu kommen sei. Schnell entsteht der Eindruck entstanden, dass die Karten suggestiv sind, dichotom und aus einer Erwachsenensicht imperativ entworfen. Sie geben eine Realität vor, die zu einfach ist und kulturelle Hintergründe und individuelle Sozialisationsprozesse ausblendet. Zweite Antwort: „Was denkst du dir?“ Papier, Stifte, anderes Zeichenmaterial und eine gute Beziehung schaffen Bedingungen für den jungen Menschen, eigene, kindgerechte Bilder entstehen zu lassen. So kann der junge Mensch Gedanken und Emotionen frei, an seinem emotionalen und kognitiven Entwicklungsstand angepasst mitteilen, ohne dass ein 60-teiliges Kartenset fragwürdige Gedanken oktroyiert. Dies ist dann eine schöne und günstige Methode über Gedanken und Gefühle ins Gespräch zu kommen.

Der zweite Titel „SOS Gefühls-chaos“ ist eine Kartensammlung im Taschenformat, die 100 Übungen enthält, die zum Umgang mit starken Gefühlen dienen sollen. Unter anderem beinhaltet das Set Übungen aus dem klassischen Skilltraining der Dialektisch-Behavioralen-Therapie, die hier als „Rezept“ zusammengefasst wurden. Sie enthalten Informationen zu den benötigten Materialien der einzelnen Übungen und eine Beschreibung zur Anwendung. Viele der Übungen sind mehrfach untersucht worden und erwiesen sich als hilfreich, um Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren Möglichkeiten im Umgang mit ihren starken Emotionen aufzuzeigen. In vielen Therapien zeigte sich, dass eine individuelle Zusammenstellung eines „Skill-Koffers“ oder einer „Notfalltasche“ mit den Materialien und Übungen subjektiv Sicherheit verschaffen. Den Patienten geben sie die Möglichkeit, selbstwirksamkeitsfördernde Erfahrungen auch außerhalb von Praxis und Klinik zu machen.

Die Karten können hilfreich sein, einen Umgang mit heftigen Gefühlen zu finden. Ein Abbau sollte jedoch immer in Verbindung mit einer Therapie stattfinden und kann in manchen Fällen auch ohne „Rezepte“ geschehen. Moritz-S. Menke

Robert Rossa, Julia Rossa: Was denkst du dir? Kognitionskarten für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Beltz Verlag, Weinheim 2018, Kartenset mit 60 Bildkarten. Mit Onlinematerial, 26,95 Euro

Robert Rossa, Julia Rossa: SOS Gefühlschaos. 100 Übungen zum Umgang mit starken Gefühlen. Kartenset für die Jugendlichenpsychotherapie. Beltz Verlag, Weinheim 2018, 34,95 Euro

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