ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2018USA: US-Psychiater und Psychologen warnen vor Trump

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USA: US-Psychiater und Psychologen warnen vor Trump

PP 17, Ausgabe Oktober 2018, Seite 474

Moser, Tilman

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Die 27 mutigen Psychiater und Psychologen dieses Buches sind überzeugt, dass US-Präsident Donald Trump absolut gemeingefährlich und für sein hohes Amt unfähig ist. Dies hat ihnen über die Schwelle der Goldwater-Regel geholfen. Als der vor einigen Jahrzehnten um das Amt des US-Präsidenten kandidierte, wagten es einzelne Psychiater bereits, ihre Methoden auf ihn anzuwenden, mit vernichtendem Ergebnis. Aber die Standesgesellschaft rügte den Versuch mit Tadel und strengem Verbot. Nur wer in diagnostischem Interview oder auf der Couch sich freiwillig gestellt hatte zur charakterlichen Tauglichkeits-überprüfung, durfte halbamtlich durchleuchtet werden.

Was die 27 Mutigen herausfanden – in großer Übereinstimmung übrigens – ist diesmal erschreckend genug. Doch Mut brauchte es angesichts der bösen Rachsucht des Präsidenten, und den hatten nicht alle, die sich zuerst gemeldet hatten. Auch wenn er das Buch nicht zur Kenntnis nimmt, das in den USA seit einigen Monaten Furore macht, oder wenn er es schmäht als verlogen und als Teil einer Verschwörung verleumdet und zu entwerten versucht: Der Mann erscheint vielen Kollegen als zu bedrohlich, sodass sie ihre anfängliche Zustimmung zurückzogen.

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Dem Plan zugrunde lag eine hochkarätige Konferenz in der Yale-Universität, veranstaltet von der angesehenen Psychiaterin Bandy X. Lee, die in ihrem eigenen Beitrag ihre gelehrte Zunge nicht im geringsten im Zaum hält, schon in ihrer großen Einführung unter dem Titel: „Unsere Pflicht zu warnen“, auch mit Anspielung auf die Foltergehilfen von Psychologen der US-Regierung: „Wir sind vor Kurzem Zeugen der Schande geworden, die eine ganze Berufsvereinigung, die American Psychological Association, über sich gebracht hat.“ Sie schreibt in ihrem Text, sich Mut machend: „Wir sagten uns, wenn die Billigung von Experten wesentlich dazu beitragen konnte, die Missachtung der Menschenrechte zu bemänteln, dann müsse auch eine Ächtung vonseiten der Experten Gewicht haben.“

Nun zu einzelnen Diagnostikern: Gail Sheehy sagt, „dass unter den Grandiositätsgefühlen narzisstischer Persönlichkeiten der Abgrund eines äußerst zerbrechlichen Selbstwertgefühls lauert (...). Mehr als alles andere fehlt es Trump an Selbstvertrauen“, weshalb er sich „vor der Welt mit drastischen Aktionen beweisen muss“. Hinter diesem Zwang verberge sich „eine geringe Schamtoleranz, die wiederum Rachsucht und Wut zur Folge hat, dazu kommen fehlendes Verantwortungsgefühl, Unehrlichkeit, ein Mangel an Empathie“ (Bandy X. Lee). Zimbardo und Sword diagnostizieren „ungezügelten und extremen Gegenwarts-Hedonismus“; Dodes spricht von „Soziopathie“; Herb nennt ihn „eine vermutlich amtsunfähige Person“ und Panning spricht von einer „Angststörung“, die er als Ansteckungsaffekt für die halbe Nation als besonders gefährlich beurteilt. Andere betonen seinen Vaterkomplex und die frühe Verbannung mit 13 Jahren in ein Internat, wo er sich als Schläger prahlend einen bösen Ruf erkämpfte. Die Psychoanalytikerin Lee, Herausgeberin des gewichtigen Bandes, erkennt in ihrem glanzvollen Vorwort: „Die Art und Weise, wie Trump auftritt, wie er politisch handelt, ist schockierend und löst ein ganzes Bündel von psychisch belastenden Gefühlen aus: Fassungslosigkeit, Scham, Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Resignation, Sarkasmus.“ Tilman Moser

Bandy X . Lee (Hrsg.): Wie gefährlich ist Trump. 27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie. Psychosozial-Verlag, 2018 Gießen, 385 Seiten, gebunden, 32,90 Euro

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