ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2018Kataraktrisiko: Je länger Frauen stillen, desto geringer ist die Erkrankungswahrscheinlichkeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kataraktrisiko: Je länger Frauen stillen, desto geringer ist die Erkrankungswahrscheinlichkeit

Dtsch Arztebl 2018; 115(41): A-1818 / B-1529 / C-1515

Gerste, Ronald D.

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Foto: CRISTINA PEDRAZZINI/Science Photo Library
Foto: CRISTINA PEDRAZZINI/Science Photo Library

Dem Stillen werden viele positive Einflüsse auf die Gesundheit des Kindes zugesprochen und – allerdings weniger gut dokumentiert – auch auf die der Mutter. Eine Untersuchung der Daten von 3 821 Frauen im Alter von mindestens 50 Jahren aus einem koreanischen Gesundheitsregister, die alle Kinder geboren hatten, belegt: Teilnehmerinnen, die ihre Babys vergleichsweise lange gestillt hatten, entwickeln im höheren Alter deutlich seltener eine kortikale Katarakt. Bei dieser Form des „Grauen Stars“ entstehen die altersbedingten Trübungen der Augenlinse in der Peripherie und haben meist eine zackenförmige Gestalt. Andere Kataraktformen sind eine Trübung der hinteren Linsenschale und eine Trübung des Linsenkerns.

Die Teilnehmerinnen der Studie Frauen waren im Durchschnitt 62 Jahre alt und hatten durchschnittlich 2,8 Kinder über eine Zeit von 46 Monaten gestillt. 57 % der Frauen hatten eine altersbedingte Linsentrübung. Während es keine Assoziation der Stillzeit mit den beiden anderen Kataraktformen gab, war der Zusammenhang mit der Häufigkeit der kortikalen Linsentrübung deutlich und statistisch signifikant. Im Vergleich zu Frauen, die ein Kind oder nie gestillt hatten, war das Risiko einer kortikalen Katarakt bei jenen, die zwischen 4 und 12 Kinder gestillt hatten, auf eine Odds Ratio (OR) von 0,56 (95-%- Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,35; 0,89]) gesunken. Im Vergleich zu jenen, die in ihrem Leben insgesamt 16 Monate oder weniger gestillt hatten, war die OR für kortikale Katarakt bei Frauen mit 36–60 Monaten Stillzeit mit 0,63 [0,42; 0,90]) reduziert. Noch einmal geringer war das Risiko bei einer Stillzeit von 61–324 Monaten: Für diese Gruppe betrug die OR lediglich 0,53 [0,33; 0,83].

Fazit: „Dies ist eine weitere Studie, die einen positiven Effekt des Stillens für die Mutter aufzeigt“, erklärt der Ophthalmologe Dr. med. Ulrich Thelen aus Münster.

„Es ist allerdings nur eine von verschiedenen Manifestationen der Katarakt, deren Prävalenz statistisch signifikant durch Stillen gesenkt werden konnte. Warum Stillen nicht protektiv gegen subkapsuläre Linsentrübung und Kernkatarakt wirkt, bleibt unklar“, so Thelen. „Der schützende Effekt gegenüber kortikaler Katarakt mag ein indirekter sein: Stillende Frauen haben gemäß mehrerer Studien seltener Diabetes mellitus und andere metabolische Erkrankungen. Und gerade diese Erkrankungen gehen gehäuft mit kortikalen Katarakten einher.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Park S, Choi NK et al.: Breastfeeding and maternal age-related cataract. Am J Ophthalmol 2018; 192: 124–30.

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