ArchivDeutsches Ärzteblatt48/1999Weiter­bildungs­ordnung: Basisweiterbildung und wählbare Bausteine

POLITIK: Leitartikel

Weiter­bildungs­ordnung: Basisweiterbildung und wählbare Bausteine

Dtsch Arztebl 1999; 96(48): A-3079 / B-2479 / C-2233

Clade, Harald

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LNSLNS Für eine transparentere und straffere (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

Der Marburger Bund (Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.) hat anläßlich seiner Haupt­ver­samm­lung im November in Köln die Lan­des­ärz­te­kam­mern und die Bundes­ärzte­kammer aufgefordert, die Beschlüsse vorangegangener Deutscher Ärztetage zur (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung bundeseinheitlich abzustimmen und möglichst zeitnah umzusetzen. Zugleich präzisierte der Marburger Bund (MB) seine Forderungen und Grundsätze zur Revision der Weiter­bildungs­ordnung, die beim 103. Deutschen Ärztetag (vom 9. bis 13. Mai 2000 in Köln) im Mittelpunkt der Beratungen stehen wird.
Kern des MB-Konzepts, das in den zentralen Punkten mit den Absichten der Bundes­ärzte­kammer übereinstimmt, ist, wie Dr. med. H. Hellmut Koch, Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, in Köln bestätigte, eine "Basis-Weiterbildung", die in einigen Fachgebieten, etwa der Chirurgie oder Inneren Medizin, obligatorisch werden soll. Ärzte in Weiterbildung hätten in dieser Einstiegsphase, die je nach Gebiet zwei bis drei Jahre dauern könne, länger Zeit, um sich für eine Subspezialisierung zu entscheiden, erläuterte MB-Vorstandsmitglied Dr. med. Heidrun Gitter, Chirurgin aus Bremen. Nach der Basisweiterbildung ist eine Spezialisierung auf der Grundlage eines Baustein- beziehungsweise Modulprinzips vorgesehen. Auch Ärzte mit bereits abgeschlossener Weiterbildung hätten dann die Chance einer weiteren Subspezialisierung, ohne eine zweite Weiterbildung absolvieren zu müssen.
Wie bisher plädiert der Marburger Bund dafür, die Einheitlichkeit des Arztberufes und des Arztbildes zu erhalten und eine größere Transparenz bei der Festschreibung der Weiterbildungs-Curricula zu schaffen. Die Zahl der fakultativen Weiterbildungsgänge und die Zahl der derzeitigen Zusatzbezeichnungen in den Spezialgebieten sollen durchforstet und begrenzt werden. Das MB-Konzept geht von einer klar definierten Abgrenzung der Ausbildung zum Arzt einerseits, der ärztlichen Weiterbildung und Fortbildung andererseits aus. Ein "Nebenprodukt"
Ziel der Ausbildung zum Arzt ist der wissenschaftliche und praktisch ausgebildete Arzt, der zur eigenverantwortlichen und selbständigen ärztlichen Berufsausübung, zur Weiterbildung und zur ständigen, berufsbegleitenden Fortbildung befähigt ist. Ein "Arzt in Weiterbildung" wird strikt abgelehnt. Dagegen wird die Weiterbildung als ein "Nebenprodukt ärztlicher Berufsausübung" umschrieben - mit allen arbeits- und tarifvertraglichen Konsequenzen für die Arbeitgeber, aber auch mit Rechten des sich weiterbildenden Arztes. Mit der Weiterbildung kann diesem Vorschlag zufolge mit Erhalt der Berufserlaubnis (Approbation als Arzt) begonnen werden. Der Marburger Bund legt als Klinikärztegewerkschaft besonderen Wert darauf, daß die Tätigkeit der Ärzte, die sich weiterbilden wollen, angemessen bezahlt wird und die Weiterbildungsabschnitte möglichst zeitlich unbefristet sind.
Die Gestaltung, Durchführung und Überwachung der Weiter- und Fortbildung soll ausschließlich eine Aufgabe der Ärztekammern und der ärztlichen Selbstverwaltung auf der Basis der geltenden Gesetze bleiben. Eine qualitativ hochstehende ärztliche Weiter- und Fortbildung wird als eine wesentliche Voraussetzung für eine hohe Versorgungsqualität definiert, um eine fachgerechte medizinische Versorgung flächendeckend zu gewährleisten und um den aktuellen Stand des wissenschaftlichen Fortschritts zu beachten und in die ärztliche Versorgung einzubeziehen.
Der MB plädiert darüber hinaus dafür, die Rechte und Pflichten der Weiterzubildenden klarzustellen und zu stärken. Dies müsse durch eine verbesserte Information der Ärzte geschehen, die sich weiterbilden wollen. Darüber hinaus müßten auch die Rechte und Pflichten der weiterbildungsbefugten Ärzte klar umrissen werden. Postuliert wird: Die Befugnis zur Weiterbildung setzt Weisungsfreiheit voraus; dies gelte insbesondere für die Oberärzte im Verhältnis zum zuständigen Chefarzt.
Um die Effizienz und die Qualität der Weiterbildung ständig zu überprüfen, wird empfohlen, die Fortschritte des Aspiranten regelmäßig zu überprüfen und zu bewerten. Allerdings könne es keine reglementierende Pflicht geben. Erforderlich sei eine Dokumentation, ebenso eine Überprüfung der Weiterbildungsstätten. Unverzichtbar sei eine Strukturierung der Curricula. Die Weiterbildungsstrukturen müßten sich diesem Ziel unterordnen. Erforderlich ist in der Einschätzung des MB auch eine größere Zahl von Weiterbildungsbefugten und ermächtigten. Entsprechend den Möglichkeiten der Weiterbildungsstätten und der unterweisenden Ärzte sollte der Weiterbildungsgang strukturiert angeboten werden. Bei der Erteilung einer Befugnis müsse sichergestellt sein, daß die Arbeitgeber erforderliche Rotationen verbindlich zusichern.
Analog zu den Rechten und Pflichten der weiterzubildenden Ärzte und der Weiterbildungsstätten müßten auch die Rechte und Pflichten jener Ärzte gestärkt werden, die in die Curricula eingeschaltet sind. Deshalb sollten Fortbildungsveranstaltungen angeboten werden - auch im Hinblick auf die erforderliche Didaktik und das geltende Recht. Die Qualifikation und die praktischen Erfolge der Weiterbildenden sollten regelmäßig überprüft werden. Die Weiterbildungsbefugten sollten einen Plan erarbeiten, der bei den Curricula angewandt wird. In Richtlinien sollen die geforderten fachlichen Qualifikationen ebenso wie die Eignungsvoraussetzungen festgehalten werden, die bei einer Befugniserteilung nachgewiesen werden müssen. Sogenannte Verbundbefugnisse sollten erleichtert werden, indem auch befähigte Vertragsärzte eingeschaltet werden.
Die Befugnis, weiterzubilden, könne auch an mehrere Fachärzte ein- und derselben Abteilung erteilt werden, wenn diese qualifiziert sind und tatsächlich in die Weiterbildung eingeschaltet werden. Durch eine vermehrte Einbeziehung von geeigneten Vertragsärzten soll es den Ärzten erleichtert werden, Weiterbildungsabschnitte an verschiedenen Weiterbildungsstätten und bei verschiedenen unterweisenden Ärzten abzuleisten. Der MB fordert ferner, die Weiterbildungszeiten zu verkürzen. Dabei müßten die in der EU festgelegten Mindestweiterbildungszeiten berücksichtigt werden. Kritisch überprüft werden müßten auch die Möglichkeiten, verschiedene Subspezialitäten zu erwerben und mit der Gebietsarztbezeichnung gleichzeitig zu führen.
Dr. Harald Clade

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