ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2018Chagas-Krankheit: Auch in Deutschland prävalent
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Die Chagas-Erkrankung ist ein internationales Gesundheitsproblem und benötigt dringend mehr Aufmerksamkeit, insofern ist dieser Artikel wichtig. Die Übertragung und Verbreitung dieser sogenannten „neglected tropical disease“ (NTD, vernachlässigte Tropenerkrankung) kann durch adäquate Maßnahmen leicht verhindert werden. Ein Hauptproblem hierbei stellt allerdings fehlendes Wissen und mangelnde Aufmerksamkeit zu dieser Erkrankung im medizinischen Bereich dar, nicht nur in Deutschland.

Die Aussage des Autors, „Die Krankheit wurde zwar schon bei Migranten in Großbritannien, Italien, Frankreich und der Schweiz gefunden, hierzulande bisher jedoch nicht“, ist nicht korrekt und bedarf deshalb dringend einer Kommentierung. Auch in Deutschland ist die Chagas-Erkrankung prävalent, wie bereits in mehreren Publikationen beschrieben. In unserer im Jahre 2013 und 2014 durchgeführten Studie wurden 9,3 % der teilnehmenden Migranten mit der Chagas-Krankheit diagnostiziert. Nach groben Schätzungen liegen in Deutschland zwischen 2 004 und 2 621 undiagnostizierte Chagas-Erkrankungen vor.

Es ist davon auszugehen, dass es auch in Deutschland zur Übertragung dieser Erkrankung von Müttern auf ihre Kinder oder per Bluttransfusionen bzw. Organtransplantationen kommt. Weder Schwangere aus Risikogebieten noch Blutkonserven werden aktuell auf die Chagas-Erkrankung gescreent. Dringend sollten deshalb auch in Deutschland entsprechende Kontrollmaßnahmen implementiert werden. Am wichtigsten ist hier sicherlich die Testung und ggf. Therapie der Menschen mit Risiko einer Chagas-Erkrankung, insbesondere schwangere Frauen aus Endemiegebieten. Insbesondere bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen wie Migranten/-innen ist die aktive Suche nach Patienten/-innen oft die einzige Möglichkeit, diese in das medizinische System einzugliedern. Entsprechend muss die Öffentlichkeit und das medizinische Personal aufgeklärt werden. Allen voran sollte die Chagas-Erkrankung allen in Deutschland in der Gynäkologie und Kardiologie tätigen Ärzten/-innen bekannt sein.

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Dr. med. Michael Pritsch et al., 80802 München

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