ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2018Akutes Koronarsyndrom: HDL-Mimetikum dämmt auch unter Statintherapie das Restrisiko nicht ein

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Koronarsyndrom: HDL-Mimetikum dämmt auch unter Statintherapie das Restrisiko nicht ein

Dtsch Arztebl 2018; 115(42): A-1877 / B-1571 / C-1557

Eckert, Nadine

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Foto: SuriyaPhoto/stock.adobe.com
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Trotz Statintherapie besteht bei Patienten mit atherosklerotisch bedingter kardiovaskulärer Erkrankung ein beträchtliches Restrisiko. Aus einer kleinen Studie ergaben sich im intravaskulären Ultraschall Hinweise darauf, dass ein HDL-Mimetikum, welches eine rekombinante Form des natürlichen Apolipoprotein A-1 (ApoA1) enthält – die Variante Milano (ETC-216) –, zu einer Verkleinerung der athero-sklerotischen Plaques führen könnte.

In der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten MILANO-PILOT-Studie wurde nun untersucht, ob Infusionen mit einer aufgereinigten und mit weniger Nebenwirkungen verbundenen Form des HDL-Mimetikums (MDCO-216) bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die eine zeitgemäße intensive Statintherapie erhalten, die koronare Verkalkung reduzieren. An 22 Krankenhäusern in Kanada und Europa wurden 122 Patienten randomisiert mit 5 MDCO-216-Infusionen (1 x/Woche, 20 mg/kg) oder einem Placebo behandelt. Der primäre Endpunkt der Studie, die Abnahme der atherosklerotischen Plaques von Studienbeginn bis Tag 36, wies auf keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Studienarmen hin. In der MDCO-216-Gruppe ergab sich im Ultraschall ein Rückgang der Plaques um 0,21 %, in der Placebogruppe um 0,94 % (Differenz: 0,73; 95%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [–0,07; 1,52]; p = 0,07).

Bei den sekundären Endpunkten war es ähnlich: Das normalisierte Gesamtvolumen der atherosklerotischen Plaques sank in der MDCO-216-Gruppe um 6,4 mm3 und in der Placebogruppe um 7,9 mm3 (Differenz; 1,6 mm3 [–5,6; 8,7] p = 0,67). Und das Plaque-Volumen im am stärksten erkrankten 10-mm-Segment reduzierte sich in der MDCO-216-Gruppe um 2,2 mm3 und in der Placebogruppe um 1,8 mm3 (Differenz; 0,4 mm3 [–4,4; 3,5]; p = 0,83). Von den MDCO-216-Patienten zeigten 55,8 % eine Regression des prozentualen Plaque-Volumens, von den Placebopatienten 67,2 % (p = 0,21).

Fazit: „Mit den Ergebnissen der MILANO-PILOT-Studie ist eine weitere Hoffnung zunichte gemacht, HDL-Cholesterin als therapeutisches Ziel bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit zu etablieren“, kommentiert Prof. Dr. med. Andreas Zeiher, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Frankfurt. In den vergangenen Jahren seien mehrere große Studien daran gescheitert, zum Teil dramatische medikamentöse Erhöhungen des HDL-Cholesterins mit einem günstigen Verlauf der Erkrankung zu assoziieren. „Und nun hat sich auch das Konzept, die funktionellen Eigenschaften des HDL zu verbessern, als nicht erfolgreich erwiesen.“ Die Infusion von rekombinantem ApoA1 sollte über den zellulären Cholesterinexport eine Verkleinerung der atherosklerotischen Plaques im Koronarsystem bewirken, was über einen Beobachtungszeitraum von lediglich 5 Wochen nicht gelang und die Einstellung des klinischen Entwicklungsprogramms nach sich zog. „So bleibt nur noch eine Megastudie, die die Infusion von nativem, aus menschlichem Plasma gewonnenem ApoA1 an über 17 000 Patienten mit ischämischer Herzerkrankung überprüft, aber noch mehrere Jahre dauert.“ Nadine Eckert

Nicholls SJ, Puri R, et al.: Effect of infusion of high-density lipoprotein mimetic containing recombinant apolipoprotein A-I Milano on coronary disease in patients with an acute coronary syndrome in the MILANO-PILOT trial. JAMA Cardiology 2018; 3: 806–14.

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