ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2018Myokardinfarkt: Defibrillator-Weste schützt Patienten nur bedingt vor plötzlichem Herztod

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Myokardinfarkt: Defibrillator-Weste schützt Patienten nur bedingt vor plötzlichem Herztod

Dtsch Arztebl 2018; 115(42): A-1879 / B-1573 / C-1559

Meyer, Rüdiger

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Foto: Lifevest_Zoll Medical
Foto: Lifevest_Zoll Medical

Eine Defibrillator-Weste soll in den ersten Wochen nach einem Herzinfarkt vor dem Tod durch Arrhythmien schützen. Das gelingt jedoch nicht, wie jetzt aus einer randomisierten Studie hervorgeht (1). Es fehlte auch an der Bereitschaft, die Weste dauerhaft zu tragen.

Wegen ventrikulärer Arrhythmien wird 40 Tage nach Infarkt oder 90 Tage nach einer perkutanen Koronarintervention oft ein Kardioverter Defibrillator (ICD) implantiert. In der Zwischenzeit sind die Patienten ungeschützt. Die Vest-Studie („Vest Prevention of Early Sudden Death Trial“) hat geprüft, ob eine tragbare Weste, die über EKG-Elektroden eine Rhythmusstörung erkennt und einen Stromstoß abgibt, die Patienten schützt.

Von 2008 bis 2017 waren an 76 Standorten (6 deutschen) 2 348 Patienten, deren linksventrikuläre Ejektionsfraktion auf unter 35 % abgefallen war, auf das Tragen einer Weste plus Medikamente oder Medikamente ohne Weste randomisiert worden. Primärer Endpunkt war eine Kombination aus plötzlichem Tod oder Tod durch ventrikuläre Arrhythmie nach 90 Tagen.

In der Gruppe mit Weste gab es zwar weniger Todesfälle durch Arrhythmie (1,6 versus 2,4 %). Das relative Risiko (0,67; 95-%-Konfidenzintervall: 0,37-1,21) war indes nicht signifikant reduziert. Dies kann an der geringen Fallzahl gelegen haben und auch daran, dass viele Patienten die Weste nicht regelmäßig trugen, die Hälfte gar nicht. Von 25 Patienten, die am plötzlichen Herztod starben, hatten sie nur 9 zum Zeitpunkt des Todes an. Die „As-treated“-Analyse zeigte, dass die Zahl der Arrhythmietode für die Träger der Weste mit 0,37 versus 0,86 pro 100 Personenmonate mehr als halbiert wurde. Die Rate Ratio von 0,43 war hier signifikant (95-%-KI: 0,21-0,91).

Fazit: Wer die Weste Tag und Nacht trug, hatte zwar einen gewissen Schutz. Allerdings ließ die Bereitschaft hierfür bei vielen Patienten mit der Zeit nach. Zu Beginn hatten sie die Weste im Durchschnitt noch 18 Stunden am Tag an, am Ende jedoch nur noch 12. In einem Kommentar wird den Patienten dennoch dazu geraten, die Weste zu tragen. Sie müssten aber wissen, dass sie dadurch nicht sicher vor dem Arrhythmietod geschützt sind, und dass gelegentlich auch unnötige Stromstöße abgegeben werden.

Rüdiger Meyer

Jeffrey E. Olgin, et al.: Wearable Cardioverter–Defibrillator after Myocardial Infarction. N Engl J Med 2018; 379: 1205–1215

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