ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2018Sekundäre Mitralklappeninsuffizienz: Minimalinvasiver Mitralsegelclip bessert Prognose bei Herzinsuffizienz signifikant

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sekundäre Mitralklappeninsuffizienz: Minimalinvasiver Mitralsegelclip bessert Prognose bei Herzinsuffizienz signifikant

Dtsch Arztebl 2018; 115(42): A-1879 / B-1573 / C-1559

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Mitraclip/picture alliance
Foto: Mitraclip/picture alliance

Das MitraClip-Verfahren hat in einer randomisierten Studie bei Patienten mit einer sekundären Mitralklappeninsuffizienz die Prognose deutlich verbessert. Die Ergebnisse bestätigen eine in Europa bereits gängige Praxis. Das Verfahren wird schon länger mit Erfolg bei der degenerativen („primären“) Mitralklappeninsuffizienz eingesetzt (1).

Der bei Herzinsuffizienz dilatierte linke Ventrikel geht mit einer Undichtigkeit der Mitralsegel einher („sekundäre“ Mitralklappeninsuffizienz). In der Systole kommt es zur Regurgitation in das linke Atrium, was die Insuffizienz verschlimmert und das Überleben verkürzt.

Das MitraClip-Verfahren verbindet zwei Mitralsegel in der Mitte mit einer Metallklammer. So entstehen zwei Öffnungen, die sich in der Systole leichter verschließen und allenfalls eine kleinere Blutmenge zurückströmen lassen. Es wurde in den USA 2013 nur für Patienten mit primärer Mitralklappeninsuffizienz zugelassen, wenn eine offene Herzoperation zu riskant wäre, weil es einem offenen Eingriff zwar unterlegen, aber sicherer ist. Ob dies auch für die sekundäre Mitralklappeninsuffizienz gilt, war bislang unklar und die Frage der COAPT-Studie. Von 2012 bis 2017 nahmen an 78 Zentren 614 Patienten (72 Jahre im Mittel) daran teil (linksventrikuläre Ejektionsfraktion 20 bis 50 %; mittelschwere oder schwere Regurgitation von Grad 3+ oder 4+). Bei 287 von 302 Patienten in der MitraClip-Gruppe konnten ein oder mehrere implantierte Clips die Regurgitation bei 82,3 % auf Grad 1+ oder weniger und bei 12,7 % auf Grad 2+ senken.

Die jährliche Hospitalisierungsrate aufgrund einer Exazerbation der Herzinsuffizienz (primärer Endpunkt) wurde in der MitraClip-Gruppe signifikant gesenkt (35,8 vs. 67,9 % in der Kontrollgruppe; Hazard Ratio: 0,53; 95-%-Konfidenzintervall: 0,40-0,70; Number needed to treat 3,1; 1,9–7,9). 96,6 % der Patienten blieben innerhalb von 2 Jahren frei von Komplikationen, was die hohe Sicherheit belegt. Vor allem die signifikante Senkung der Gesamtmortalitätsrate von 46,1 % in der Kontrollgruppe auf 29,1 % dürfte eindeutig für den MitraClip sprechen (HR: 0,62; 95-%-KI: 0,46-0,82; NNT: 5,9; 3,9–11,7).

Fazit: Die Daten bestätigen erneut die in Deutschland übliche Praxis. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) aus dem Jahr 2013 rät Patienten mit Herzinsuffizienz nach dem Versagen anderer Therapien ebenfalls zu einer MitraClip-Behandlung. Die DGK stützt sich hierfür auf die günstigen Erfahrungen aus einem Patientenregister, in dem es zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome bei akzeptablen Risiken kam.

Rüdiger Meyer

Stone GW, et al.:Transcatheter Mitral-Valve Repair in Patients with Heart Failure. NEJM 2018; Sept. 23; 10.1056/NEJMoa1806640

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.