ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2018Patienten mit Vorhofflimmern: Schlaganfallgefahr lässt sich mit regelmäßig erhobenem Score vorhersagen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Patienten mit Vorhofflimmern: Schlaganfallgefahr lässt sich mit regelmäßig erhobenem Score vorhersagen

Dtsch Arztebl 2018; 115(42): A-1877 / B-1571 / C-1557

Gerste, Ronald D.

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Foto: Alexander Raths/stock.adobe.com
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Vorhofflimmern (atrial fibrillation; AF) geht mit erheblicher Mortalität, Morbidität und Belastungen der Gesundheitssysteme einher. Hauptursachen sind Schlaganfälle und systemische Thromboembolien. Zur Einschätzung des Schlaganfallrisikos bei AF empfehlen die Guidelines die Anwendung des CHA2DS2-VASc-Scores, in den Risikomerkmale wie Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie und das Alter des Patienten eingehen. Ein mittleres Schlaganfallrisiko besteht bei 2 Punkten, ein erhöhtes Risiko bei 3 bis 6 Punkten.

Bei der Auswertung einer nationalen Gesundheitsdatenbank in Taiwan, der National Health Insurance Research Database, wurden aus einer Gesamtpopulation von 299 902 Patienten mit AF eines Alters von 20 Jahren und höher 31 039 Personen mit Vorhofflimmern und ohne Komorbiditäten analysiert. Die Teilnehmer durften keine Plättchenaggregationshemmer oder orale Antikoagulantien einnehmen. Das Durchschnittsalter der zu 60 % männlichen Teilnehmer stieg während der Studiendauer von 64,3 auf 67,6 Jahre. Im Verlauf von 171 965 Personenjahren erlitten 4 103 dieser Patienten einen ischämischen Schlaganfall. Der durchschnittliche CHA2DS2-VASc-Score stieg von 1,29 auf 2,31, was einer Veränderung (Delta CHA2DS2-VASc-Score) um 1,02 entsprach. Dieser Score ist somit nach Bewertung der Autoren nicht statisch, denn 51,9 % der Patienten entwickelten während der Studie eine oder mehr den Scorewert anhebende Komorbiditäten: am häufigsten Hypertonus (37,2 %), Herzinsuffizienz (27 %) und Diabetes mellitus (13 %). Davon entwickelte fast die Hälfte eine Komorbidität: 36,5 % bekamen 2, 12,1 % bekamen 3 und 1,4 % bekamen 4 neu diagnostizierte Komorbiditäten. Je ein Viertel der Patienten, die im Studienverlauf einen Schlaganfall erlitten, hatten einen Follow-up-Score von 3 oder 4. Selbst bei Patienten, die bei AF-Diagnose keine weiteren schwerwiegenden Erkrankungen haben, sei es sehr wahrscheinlich, dass sie weitere Komorbiditäten entwickeln werden, so die Autoren.

Die Differenz der Punktwerte ist nach Einschätzung des taiwanesischen Ärzteteams ein wichtiger Prädiktor eines drohenden Schlaganfalls; bei 89,4 % der schließlich einen Apoplex erleidenden Patienten hatte dieser Wert um 1 oder mehr Punkte zugenommen, während es eine solche Zunahme nur bei 54,6 % der nicht von einem Schlaganfall betroffenen AF-Patienten gab.

Fazit: „Diese Studie unterstreicht die Bedeutung des CHA2DS2-VASc-Score zur Identifikation von Schlaganfall-gefährdeten Patienten“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II Kardiologie und Angiologie am Marien-Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Dabei kommt der Beurteilung eines Delta des CHA2DS2-VASc-Scores bei wiederholten Untersuchungen eine besondere Bedeutung für die Risikoabschätzung zu.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Chao TF, Lip GYH, Liu CJ, et al.: Relationship of aging and incident comorbidities to stroke risk inpatients with atrial fibrillation.J Am Coll Cardiol 2018; 71: 122–32.

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