ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Ergometrie in der Sportmedizin
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Die Autoren haben den Stellenwert der Ergometrie durch eine detaillierte Beschreibung der aktuellen Empfehlungen unterstrichen (1). Die vielleicht wichtigste Aussage für die Ergometrie in der Praxis findet sich etwas versteckt in der Legende der Tabelle Ausbelastungskriterien: Hier wird darauf hingewiesen, dass der Belastungstest auch bei Erreichen der Ausbelastungskriterien nicht abgebrochen werden sollte. Leider wird in der Praxis häufig keine echte Ausbelastung bis zur Erschöpfung durchgeführt. Damit sinkt bei der Untersuchung die Sensitivität für die Diagnose von pathologischen Befunden und die maximale Leistungsfähigkeit wird nicht adäquat beurteilt.

Die Empfehlung einer Belastungssteigerung von 40 Watt pro Stufe ist ungewöhnlich und beruht auf älteren Publikationen. Diese Stufe hat sich national und international weder in der Praxis noch in Studien durchgesetzt. Diese Empfehlung überrascht umso mehr, als einer der Autoren der vorliegenden Zusammenfassung schon vor einigen Jahren als Koautor die aktuell gängigen Stufen von 25 Watt beziehungsweise 50 Watt als Standard für die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfohlen hat (2). Auch in der Pneumologie werden in dem auch von den Autoren zitierten Artikel diese Stufen empfohlen. Weitere von den Autoren zitierte internationale Leitlinien und Studien empfehlen die 40-Watt-Stufen ebenfalls nicht. Der nachdrücklich zu unterstützende Vorschlag, ein Nationales Fitness- und Gesundheitsregister zu schaffen (1), lässt sich nur mit einem allgemein akzeptierten Belastungsschema verwirklichen.

Der systolische Blutdruck bei 100 Watt Belastung wurde von Mundal et al. (3) in einer Studie über 16 Jahre als einer der wichtigsten Prognosefaktoren für Herzinfarkt und Tod identifiziert. Dieser Wert sollte genau registriert werden und in die Beurteilung des kardiovaskulären Risikos einbezogen werden. Das kardiovaskuläre Risiko steigt spätestens bei einem Wert über 200 mm Hg deutlich an.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0731c

Prof. Dr. med. Burkhard Weisser
Institut für Sportwissenschaft
Sportmedizin
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
bweisser@email.uni-kiel.de

1.
Löllgen H, Leyk D: Exercise testing in sports medicine. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 409–16 VOLLTEXT
2.
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK): Leitlinien zur Ergometrie. Z Kardiol 2000; 89: 136–4 CrossRef CrossRef
3.
Mundal R, Kjeldsen SE, Sandvik L, Erikssen G, Thaulow E, Erikssen J: Exercise blood pressure predicts cardiovascular mortality in middle-aged men.Hypertension. 1994; 24: 56–62 CrossRef
1.Löllgen H, Leyk D: Exercise testing in sports medicine. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 409–16 VOLLTEXT
2.Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK): Leitlinien zur Ergometrie. Z Kardiol 2000; 89: 136–4 CrossRef CrossRef
3.Mundal R, Kjeldsen SE, Sandvik L, Erikssen G, Thaulow E, Erikssen J: Exercise blood pressure predicts cardiovascular mortality in middle-aged men.Hypertension. 1994; 24: 56–62 CrossRef

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