ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Nestschutz: Pertussisimpfung in der Schwangerschaft schützt Säuglinge am besten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nestschutz: Pertussisimpfung in der Schwangerschaft schützt Säuglinge am besten

Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1958 / B-1634 / C-1620

Meyer, Rüdiger

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Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com
Foto: Gina Sanders/stock.adobe.com

Eine TdaP-Impfung in der Schwangerschaft erhöht die Konzentration von Antikörpern gegen das Keuchhusten-Toxin in der Nabelschnur. Die 30. Schwangerschaftswoche könnte laut einer aktuellen Studie der optimale Impftermin sein (1). Keuchhusten ist in den ersten Lebensmonaten besonders gefährlich, weil Säuglinge dann nur durch mütterliche Antikörper geschützt sind, die sie in der Schwangerschaft oder teilweise beim Stillen aufgenommen haben.

In Großbritannien raten Behörden deshalb seit 2012 allen Schwangeren zur TdaP-Impfung. Sie gilt als sicher, weil der Impfstoff keine lebenden Erreger enthält. Dort kam es bereits ein Jahr nach Einführung der Impfung zu einem Rückgang der Keuchhusten-Erkrankungen bei Säuglingen. Ähnliche Trends sind auch in den USA beobachtet worden. Die Centers for Disease Control and Prevention empfehlen die Impfung zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche. Ein größerer Transfer der Antikörper findet erst ab der 32. bis 34. Woche statt.

Mary Healy und Mitarbeiter vom Baylor College of Medicine in Houston haben jetzt erstmals in einer größeren Kohorte die Konzentration der Antikörper im Nabelschnurblut von 626 Neugeborenen untersucht. Sie war bei den Kindern der 312 Mütter, die während der Schwangerschaft geimpft wurden, mit 47,3 IE/ml fast 4-mal so hoch wie bei den 314 nicht nachgeimpften Müttern (12,9 IE/ml).

Antikörperkonzentrationen von mehr als 15 IE/ml wurden bei 86 % der Neugeborenen von nachgeimpften Müttern und bei 37 % der nicht nachgeimpften Mütter gefunden. Die Differenz von 49 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall (KI) von 42 bis 55 Prozentpunkten signifikant.

Eine Konzentration von 30 IE/ml oder mehr wurde von 72 % gegenüber 17 % erreicht, (Differenz: 55 Prozentpunkte). Die Konzentration von 40 IE/ml wurde von 59 % gegenüber 12 % überschritten (Differenz 47 Prozentpunkte).

Fazit: Da die Antikörperkonzentration bei einer Impfung in der 30. Schwangerschaftswoche mit 57,3 IE/ml (44,0–74,6 IE/ml) am höchsten war, bietet die Impfung zu diesem Zeitpunkt nach Ansicht der Autoren den besten Schutz. Eine Impfung während der Schwangerschaft wird hierzulande nicht offiziell empfohlen (www.frauenaerzte-im-netz.de/). Da ohne die mütterlichen Leihantikörper der Nestschutz des Neugeborenen fehlt, wird empfohlen, dass alle Kontaktpersonen von Neugeborenen bis spätestens vier Wochen vor der Geburt geimpft werden sollten, wenn die letzte Impfung oder eine Keuchhustenerkrankung länger als 10 Jahre zurückliegen.

Healy CM, et al.: Association Between Third-
Trimester Tdap Immunization and Neonatal
Pertussis Antibody Concentration.
JAMA 2018; 320 (14): 1464–70.

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