ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung: Weniger mittlere und schwere Exazerbationen durch Dreifachkombination?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung: Weniger mittlere und schwere Exazerbationen durch Dreifachkombination?

Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1957 / B-1633 / C-1619

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance/Phanie
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Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist durch persistierende Symptome und Einschränkungen der Atemstromstärke, vor allem bei Expiration, gekennzeichnet. In einer internationalen Studie ist eine Dreifachtherapie mit einer ebenfalls über einen „single-inhaler“ applizierten dualen Therapie verglichen worden. 764 Patienten erhielten eine extrafeine Kombination des Glukokortikoids Beclometasondipropionat (BDP; aerodynamischer Ø < 2 µm), des lang wirkenden β-2-Agonisten Formoterolfumarat (FF) und des lang wirkenden Muskarinantagonisten Glycopyrronium (G). Die 2. Gruppe (n = 768) inhalierte eine Kombination des β-2-Agonisten Indacaterol (IND) plus G. Primärer Endpunkt war die Häufigkeit moderater bis schwerer Exazerbationen binnen 52 Wochen.

Es ergab sich eine Exazerbationsrate von 0,5 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,45; 0,57]) pro Patient und Jahr bei Therapie mit BDP/FF/G und eine Rate von 0,59 [0,53; 0,67] pro Patient und Jahr unter IND/G. Die Wahrscheinlichkeit einer plötzlichen Verschlechterung sank also um 15 % (p = 0,043), Pneumonien gab es bei jeweils 4 %.

Fazit: „Auch wenn die Exazerbationsrate durch die Triple-Therapie signifikant reduziert wird: Die Zahl an Exazerbationen in dieser Studie ist erstaunlich niedrig, deutlich niedriger als in allen Vergleichsstudien“, kommentiert Prof. Dr. med. Tobias Welte von der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover. „Was ein absoluter Rückgang an Exazerbationen um 0,06/Jahr klinisch bedeutet, ist diskussionsbedürftig“, meint Welte. „Die niedrige Exazerbationsrate lässt Fragen aufkommen zum Studiendesign: ‚Welche Patienten sind eigentlich eingeschlossen worden?‘ Die Studie erlaubte, Patienten mit allergischen (asthmatischen) Symptomen aufzunehmen. Ein Teil der hier eingeschlossenen Patienten könnte also durchaus eher rauchende Asthmatiker als COPD-Patienten repräsentieren. Dass Asthmatiker mit inhalierten Kortikosteroiden (ICS) behandelt werden müssen, ist unstrittig. Wenn nur 5 % der eingeschlossenen Teilnehmer primär Asthmatiker wären, würde dies das Studienergebnis schon komplett erklären. Dann wären ICS bei ‚echter‘ COPD unwirksam.“

Papi A, Vestbo J, et al.: Extrafine inhaled triple therapy versus dual bronchodilator therapy in chronic obstructive pulmonary disease (TRIBUTE): a double-blind, parallel group, randomised controlled trial. Lancet 2018; 391: 1076–84.

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