ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Feinstaub und NO 2: Zum Wohl der Gesundheit
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Professor Heinrich schreibt: „Gesundheitlich relevant ist der Feinstaub, während NO2 lediglich als Indikator für ein verkehrsabhängiges Schadstoffgemisch angesehen wird.“ Das wird aber so nicht politisch kommuniziert, das lese ich zum ersten Mal und muss ich als bewusste Irreführung der Öffentlichkeit ansehen.

Von den fünf Stickoxiden haben drei medizinische Bedeutung und sind dem Arzt bekannt. Alle Stickoxide werden in den Alveolen zu Salpeter- oder salpetriger Säure hydrolysiert, führen zu einer Schädigung der Grenzmembran (wie auch Harnstofferhöhung bei Niereninsuffizienz) und zu Reizhusten, Atemnot (in Phase III zu einem interstitiellem Lungenödem). Als Beweis für die Gefährlichkeit von NO2 führt Heinrich 16 Studien an, die bei Spitzenexpositionen bis zu 200 µg/m3 bei Asthmatikern einen Anstieg der Empfindlichkeit zeigten. Zur Diskussion stehen aber nur 40 µg/m3 in der Außenluft, zu denen Prof. Köhler anmerkt, dass im Kurzversuch an Gesunden 3 000 µg/m3 keine Effekte zeigten.

Dementsprechend beträgt die MAK für NO 630 µg/m3 und für NO2 950 µg/m3 (nach Köhler in der Schweiz sogar 6 000). Einen Wert für MIK (Jahresmittel) konnte ich nicht finden.

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Um welch andere verkehrsabhängige Schadstoffe es geht, für die NO2 lediglich ein Indikator ist, und welche Gefahren von ihnen ausgehen, bleibt Heinrich leider schuldig. Da es, wie es der Fall ist, für Feinstaub und Stickoxide keinen unteren absolut gesundheitsverträglichen Grenzwert gibt, kann ein solcher nur im Vergleich mit anderen zugemuteten Lebens-risiken erörtert werden.

Ähnlich ist die Situation beim Feinstaub. Die Grenzwerte in der Außenluft betragen EU 2014 25 µg/m3, USA 12 µg/m3, 10 WHO µg/m3. Und am Arbeitsplatz MAK (Spitzenwert) 3 000 µg/m3, MIK (Jahresmittel) 75 µg/m3 und nach der Bundesimmissionsschutz-VO (im Jahresmitte l) 150 µg/m3.

Da lebt jeder Verkehrspolizist gesünder!

Paradoxerweise ist der Anteil von Feinstaub und Ultrafeinstaub durch Reduktion der gesamten Staubkonzentration in der Luft gestiegen. Denn größere Staubpartikel sind in der Lage, bei der Sedimentation kleinere Partikel einzufangen. Unvergessen ist die Einführung von Euronorm 4 2004. Damals wurde die Konzentration messbarer Partikelgrößen (vor allem Ruß) vermindert, der Grenzwert damit messtechnisch erreicht, die Konzentration der routinemäßig nicht messbaren lungengängigen Fein- und Feinststäube aber erhöht. Alles zum Wohl der Gesundheit.

Dr. med. Rolf Klimm, 83093 Bad Endorf

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