ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Pulmonale Tuberkulose: Intravenöse Zweitlinienmedikamente gegen MDR-Stämme häufig nicht mehr wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Pulmonale Tuberkulose: Intravenöse Zweitlinienmedikamente gegen MDR-Stämme häufig nicht mehr wirksam

Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1957 / B-1633 / C-1619

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance/BSIP
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In einer Metaanalyse von 50 Studien aus 25 Ländern wurde die Effektivität der Therapie der Lungentuberkulose durch mehrfachresistente Bakterien untersucht (MDR: Resistenzen gegen Isoniazid und Rifampicin; XDR: MDR plus Resistenzen gegen ≥ 1 Fluorchinolon und 1 der 3 i.v. Zweitrangsubstanzen Amikacin, Kanamycin, Capreomycin).

Daten von 12 030 Patienten wurden analysiert (Ø 38,3 Jahre). 8 128 Patienten waren mit Antituberkulotika vorbehandelt, 6 305 mit Zweitlinienmedikamenten. Von den mikrobiologisch untersuchten MDR-Isolaten gab es bei circa der Hälfte Resistenzen gegen Pyrazinamid, Streptomycin oder Ethambutol, bei circa einem Viertel gegenüber i.v. applizierten second line Antituberkulotika oder einem Fluorochinolon. 10,6 % der Infektionen waren durch XDR-Stämme verursacht.
61 % der Infektionen wurden erfolgreich therapiert, bei 8 % versagte die Therapie, 14 % starben und bei den übrigen fehlten die Daten.

Oral waren Linezolid, Levofloxacin, Moxifloxacin, Bedaquilin und Clofazimin gut wirksam gegen MDR-Stämme, die Sterblichkeit wurde reduziert. Teilweise effektiv waren Carbapeneme, nicht aber Pyrazinamid. Die mangelnde Effektivität von Kanamycin i.v. und Capreomycin i.v. überraschte: Beide waren mit einem schlechteren Ergebnis und Capreomycin auch mit erhöhter Mortalität assoziiert. Die Wirksamkeit von Amikacin i.v. wurde als „moderat“ bewertet.

Fazit: „Die Therapie der MDR/XDR-Tuberkulose bleibt eine große Herausforderung und sollte in erfahrenen Zentren erfolgen“, so Prof. Dr. med. Tom Schaberg, Zentrum für Pneumologie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. „Die Daten helfen, den Wert einzelner Medikamente und Medikamentengruppen generell einzuschätzen. Allerdings sind die in die Studie eingeschlossenen Patientengruppen heterogen. Die Ergebnisse dürfen daher nicht Grundlage für die individuelle Zusammenstellung eines Therapieregimes sein. Für die fallbezogene Therapie, bei der viele Aspekte zu berücksichtigen sind, gelten die aktuellen Empfehlungen der WHO und die der nationalen S2k-Leitlinien.“

The Collaborative Group for the Meta-Analysis of Individual Patient Data in MDR-TB treatment–2017: Treatment correlates of successful outcomes in pulmonary multidrug-resistant
tuberculosis. Lancet 2018; 392: 821–34.

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