ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Fachärztetag 2018: Fokus auf wirtschaftlicher Stärke

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Fachärztetag 2018: Fokus auf wirtschaftlicher Stärke

Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1925 / B-1613 / C-1599

Beerheide, Rebecca

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Foto: SpiFa
Foto: SpiFa

Die Wirtschaftskraft des Gesundheitswesens wird oftmals übersehen. Dabei arbeiten hier fast sieben Millionen Menschen. Auch niedergelassene Fachärzte tragen viel zu dieser Stärke hinzu, betonte der Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) bei seiner Jahrestagung in Berlin.

Das Gesundheitswesen ist ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Deutschland: Hier wurden 2017 rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Es ist Arbeitgeber für mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland und hat deutlich höhere Wachstumsraten als andere Branchen. Einen großen Anteil davon haben auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte – die Bruttowertschöpfung in Facharztpraxen lag 2017 bei 28,6 Milliarden Euro. Im stationären Bereich lag sie bei 97 Milliarden Euro.

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„Da die stationäre Versorgung ohne die dort arbeitenden Fachärzte nicht denkbar wäre, tragen die Fachärzte insgesamt mit rund 125 Milliarden Euro jährlich zu mehr als einem Drittel zur Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft bei“, heißt es in einer Studie zum Medizinisch-Ökonomischen Fußabdruck der Fachärzte, die deren Spitzenverband Mitte Oktober in Berlin vorstellte.

Anlässlich des vierten Fachärztetages des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschland (SpiFa) betonte Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, den ökonomischen Stellenwert von Arztpraxen. Zwar sei der Kern des Arztberufes nicht auf ökonomische Überlegungen angelegt, dennoch sollten Ärzte auch als Unternehmer betrachtet werden. „Sie haben viel Verantwortung, nicht nur für ihre Patienten, sondern auch als Arbeitgeber“, sagte Hirte. Laut seinen Ausführungen kaufen und verwenden die Praxisinhaber in unterschiedlicher Weise Medizintechnik und Medizinprodukte. „Sie schaffen zudem Arbeitsplätze, sie müssen Räumlichkeiten mieten oder kaufen. Dazu setzen sie zusätzlich eine weitere Wertschöpfungskette in Gang, wenn Sie Medikamente verordnen“, so Hirte.

Der Studie zufolge investieren die niedergelassenen Fachärzte pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro in den Aufbau von Arbeitsplätzen und in effektive Versorgungsstrukturen. Dazu gehört, dass in den Praxen rund 700 000 sozial­ver­sicherungs­pflichtige Arbeitsplätze geschaffen werden. Die niedergelassenen Fachärzte leisten insgesamt laut Ärztemonitor der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von 2016 durchschnittlich 202 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr, was etwa 53 Stunden pro Woche bedeutet.

Diese auch ökonomische Perspektive für niedergelassene Ärzte einzunehmen, dafür warb der SpiFa bei den Gesundheitspolitikern der Bundestagsfraktionen. „Sie sehen an den Zahlen, dass bereits 98 Prozent der niedergelassenen Ärzte deutlich mehr arbeiten, als von dem aktuellen Gesetz vorgesehen“, sagte Dr. med. Dirk Heinrich, Vorsitzender des SpiFa, bei einer Podiumsdiskussion auf dem Fachärztetag mit Blick auf die Diskussion um das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Aus seiner Sicht müssten mehr Anreize gesetzt werden, damit Ärzte sich auch weiterhin niederlassen. Dazu gehöre das Ende der Budgetierung.

Dagegen sprachen sich vor allem die Gesundheitspolitikerinnen aus der Großen Koalition aus. Vor einer Entbudgetierung müsse eine bessere Steuerung und Bedarfsplanung kommen, forderte Bettina Müller aus der SPD-Bundestagsfraktion. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass im Gesundheitswesen kein üblicher Markt wie in anderen Branchen vorhanden sei.

Für Karin Maag, Sprecherin der Unionsfraktion, ist das Budget eine Verhandlungssache der gemeinsamen Selbstverwaltung, bei der die Politik nicht eingreifen solle. „Es kann alles so verhandelt werden, dass es passt. Und dass es passt, sehen wir ja bei Hausärzten in Bayern und Baden-Württemberg, die 100 Prozent ihrer Leistungen bezahlt bekommen“, berichtete Maag. Sie machte auch deutlich, dass mit dem TSVG besonders die sprechende Medizin gestärkt werden sollte, damit die Arztgruppen, die wenig Technik einsetzen, nicht mehr am unteren Ende der Ärzte-Gehaltsskala stehen.

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