ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Künstliche Befruchtung: Nachhaltig riskant
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Bemerkenswert ist die ausführliche Berichterstattung über eine Studie des Universitäts-Spitals Bern: Die pränatale Anamnese IVF/ICSI gehe mit schneller Gefäßalterung einher. Die Folge war eine um den Faktor 6 häufiger behandlungsbedürftige Hypertonie bereits im Teenager-Alter im Vergleich zu Kindern nach Spontan-Konzeption.

Nach der aktuellen PEP Family Heart Studie Nürnberg (1) haben Jugendliche mit Hochdruck ein 2,1-fach höheres Risiko für Übergewicht und für riskante Abdominal- Adipositas um den Faktor 3,6. Vorstufen zu Diabetes bzw. Insulinresistenz kamen um den Faktor 1,5 häufiger vor. Diese Daten bei 3- bis 18-jährigen (n = 7.076) sind mit dem 6-fach erhöhten Hochdruckrisiko nach IVF in der gleichen Altersgruppe als potenzierte Gesundheitsgefahr einzustufen.

Die Schweizer Studienautoren interpretieren ihre Ergebnisse mit schneller bzw. deutlich verfrühter Gefäßalterung bei Jugendlichen mit IVF-Anamnese. Andere Risikofaktoren wurden ausgeschlossen.

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Das erinnert an das Klonschaf Dolly, das wegen Vor-Alterung mit Multi-Morbidität stark litt und mit 6 Jahren eingeschläfert wurde, die Artgenossen erreichen ein doppelt so hohes Alter. Die Auswirkungen der Voralterung nach IVF lässt vielfältige Assoziationen zu. Dazu gehört das um den Faktor 2,5 höhere Krebsrisiko bei IVF-Jugendlichen (2) und massive Haut-Probleme mit ähnlicher Risiko-Erhöhung (3).

Fazit: In der Reproduktionsmedizin werden komplexe Konzeptionsmechanismen riskant vereinfacht. Über mögliche Folgeschäden, wie oben skizziert, ist ausführlich aufzuklären.

Wenn sich in zehn Jahren bei bis 30-jährigen nach IVF auch nachhaltige Gesundheitsschäden bestätigen, dann kommt eine Welle von Schadensersatzansprüchen auf die Reproduktionsmedizin zu (derzeit
8 Millionen Geburten nach IVF/ICSI).

Erinnert sei an das große Sicherheitsbedürfnis heutiger Frauen an immer mehr Pränatal-Diagnostik.

 Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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