ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Cannabis: Legalisierung verharmlost gesundheitliche Gefahren

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Cannabis: Legalisierung verharmlost gesundheitliche Gefahren

Maybaum, Thorsten

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Cannabis ist in Kanada in autorisierten Geschäften frei erhältlich. Foto: picture alliance
Cannabis ist in Kanada in autorisierten Geschäften frei erhältlich. Foto: picture alliance

In Kanada ist Cannabis seit der vergangenen Woche vollständig legalisiert. Erwachsenen ist es erlaubt, per Bestellung oder in autorisierten Geschäften Haschisch zu kaufen. Der persönliche Besitz ist auf 30 Gramm beschränkt. Zu medizinischen Zwecken ist Cannabis in Kanada bereits seit 2001 erlaubt. Die deutsche Ärzteschaft lehnt eine Legalisierung von Cannabis wie in Kanada strikt ab. Dr. med. Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen, warnte eindringlich vor den gesundheitlichen Gefahren durch eine Legalisierung von Cannabis. Dadurch würden „die gesundheitlichen Gefahren des Cannabiskonsums verharmlost und präventive Bemühungen im Suchtbereich konterkariert“, sagte er. Nach Einschätzung der Bundesärztekammer würde eine Legalisierung des Cannabiskonsums eine Zunahme der Konsumentenzahlen und des medizinischen Behandlungsbedarfs zur Folge haben. Gesundheitliche Risiken des Konsums bestehen Mischo zufolge insbesondere in Einschränkungen der Gedächtnisleistung, der Aufmerksamkeit und der Psychomotorik. Zudem können durch den Konsum hirnstrukturelle Veränderungen beobachtet werden. Darüber hinaus zeigten wissenschaftliche Studien einen deutlichen Anstieg des Risikos für psychotische Störungen und die Entwicklung eines cannabisbezogenen Abhängigkeitssyndroms. „Gravierend ist zudem das unter Cannabiskonsum deutlich erhöhte Verkehrsunfallrisiko“, erklärte er. Besonders besorgniserregend sei auch, dass es in Staaten mit legalisierter Freigabe von Cannabis zu einem Anstieg der Zahl jugendlicher Konsumenten sowie einer Zunahme von Gesundheitsschäden durch Intoxikation bei Kindern gekommen sei.

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