ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Ärztemonitor 2018: Zwischen Kümmerer und Burn-out

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Ärztemonitor 2018: Zwischen Kümmerer und Burn-out

Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1923 / B-1611 / C-1597

Beerheide, Rebecca

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Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind mit ihrem Beruf zufrieden, obgleich eine hohe Arbeitsbelastung und mehr als 51 Stunden Arbeitszeit in der Woche zum Alltag gehören. Aus den Daten des diesjährigen Ärztemonitors wird deutlich, dass verbale und körperliche Gewalt in Praxen zunimmt.

Foto: picture alliance
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Die Struktur der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland verändert sich: Die Zahl der angestellten Haus- und Fachärzte steigt, in der jüngeren Generation von niedergelassenen Ärzten sind es überwiegend Ärztinnen, die in der Versorgung arbeiten. Die Wochenarbeitszeit sinkt – von 56,4 Stunden (2012) auf inzwischen 51,1 Stunden. Gleichzeitig war die Zahl der Angestellten in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) noch nie so hoch, die Zahl der Ärzte in Einzelpraxen noch nie so niedrig. Diese Daten aus dem Ärztemonitor 2018 haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der NAV-Virchow-Bund gemeinsam Mitte Oktober in Berlin vorgestellt.

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Aus dem vierten Ärztemonitor, den die Körperschaft und der Verband seit 2012 erstellen lassen, ergibt sich erneut, dass niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mit ihrer beruflichen Tätigkeit hoch zufrieden sind. In der Telefonbefragung stimmten 81 Prozent der Teilnehmer „voll und ganz“ zu, dass ihre Arbeit nützlich und sinnvoll sei.

Unter den befragten Psychotherapeutinnen und -therapeuten war die Berufszufriedenheit noch höher: Hier sehen 90 Prozent ihre Arbeit als „nützlich und sinnvoll“ an. Die Entscheidung für den Beruf zweifeln die Befragten selten an. So würden 65 Prozent der Ärzte sich definitiv wieder für das Arztsein entscheiden, 68 Prozent der Psychotherapeuten sehen dies für sich genauso.

Gefühl der Erschöpfung steigt

„Erschreckend“ nannte allerdings Studienleiter Johannes Leinert vom IFAS-Institut in Bonn die Zahl der Ärzte, die angeben, sie fühlten sich durch ihre Arbeit erschöpft. So stimmten acht Prozent „voll und ganz“ der Aussage zu, sie seien ausgebrannt. 25 Prozent antworteten, sie stimmten eher zu, „ausgebrannt zu sein“. Bei den niedergelassenen Psychotherapeuten ist die Zahl deutlich geringer: Hier erklärten 16 Prozent, sie stimmten einem Gefühl von „ausgebrannt sein“ zu, nur ein Prozent sagte „voll und ganz.“

Eine generelle Zufriedenheit mit dem Arztberuf spiegelt sich auch in den Antworten zur wirtschaftlichen Situation der Praxen wider: So bewerten 69 Prozent aller befragten Ärzte ihre wirtschaftliche Situation als positiv, 14 Prozent sind sehr zufrieden, 55 Prozent eher zufrieden. 27 Prozent zeigten sich eher oder sehr unzufrieden (eGrafik 1).

Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 1
Quelle: Ärztemonitor 2018

Dabei fällt auf, dass besonders Hausärzte zufriedener mit den wirtschaftlichen Daten ihrer Praxis sind als Fachärzte. Bei den Psychotherapeuten sind 51 Prozent eher zufrieden sowie neun Prozent sehr zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation, 32 Prozent sind eher unzufrieden sowie acht Prozent sehr unzufrieden. Ähnliches gilt für das persönliche Einkommen (eGrafik 2): Seit den Befragungen im Jahr 2012 sind die Zufriedenheitswerte deutlich gestiegen, so sind 56 Prozent der Hausärzte „eher zufrieden“ und 17 Prozent „sehr zufrieden“ mit ihrem Einkommen. Ähnliche Zahlen auch bei den Fachärzten: Hier sind 54 Prozent „eher zufrieden“ und 14 Prozent „sehr zufrieden“.

Antworten auf die Frage, wie die berufliche Tätigkeit unter sechs Aspekten bewertet wird. Die Ergebnisse für Psychotherapeuten finden sich in eGrafik 4.
Antworten auf die Frage, wie die berufliche Tätigkeit unter sechs Aspekten bewertet wird. Die Ergebnisse für Psychotherapeuten finden sich in eGrafik 4.
Grafik
Antworten auf die Frage, wie die berufliche Tätigkeit unter sechs Aspekten bewertet wird. Die Ergebnisse für Psychotherapeuten finden sich in eGrafik 4.
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 2
Quelle: Ärztemonitor 2018

„Wir sind eine Berufsgruppe, die sich sehr stark mit ihrer Arbeit identifiziert und sie gerne ausübt – obgleich die Rahmenbedingungen durchaus Anlass zur Kritik bieten“, kommentierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Andreas Gassen die Ergebnisse der Studie.

Für den Bundesvorsitzenden des NAV-Virchow-Bundes, Dr. med. Dirk Heinrich, zeigt sich: „Die Arbeitsbelastung wird durch eine hohe Berufszufriedenheit ausgeglichen, andererseits auch durch überdurchschnittliche Einkommensmöglichkeiten.“ Grund für die Zufriedenheit sei auch die Freiberuflichkeit, so Heinrich. „Besonders bemerkenswert ist dabei, dass endlich auch die Hausärzte in der Einkommenszufriedenheit aufschließen und die fachärztlichen Kollegen überholt haben.“

Vor allem die Veränderungen der ärztlichen Arbeitszeit bereiten Gassen und Heinrich Sorge. Zwar lägen die 51 Wochenarbeitsstunden noch über denen anderer Berufsgruppen, aber es sei immerhin ein Rückgang von zehn Prozent in den vergangenen sechs Jahren (eGrafik 3). „Es mag daran liegen, dass die Neigung zur Selbstausbeutung auch unter Ärzten heutzutage nicht mehr so ausgeprägt ist, wie noch vor 20 Jahren“, so Gassen.

Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 3
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 4
Quelle: Ärztemonitor 2018

Neben dem Generationswechsel und veränderten Lebensmodellen, steigt auch die Zahl der angestellten Ärzte. Diese arbeiteten in den MVZ laut Gassen oftmals in Teilzeit sowie aufgrund des Arbeitszeitgesetzes generell weniger als Selbstständige. „Wir haben es also in absehbarer Zeit weniger mit einem Mangel an Ärzten, sondern in erster Linie mit einem Mangel an ärztlicher Arbeitszeit zu tun“, so Gassens Fazit.

Mehr Zeit für Bürokratie

Nach den Ausführungen des NAV-Vorsitzenden Heinrich arbeiten in Einzelpraxen 90 Prozent der Ärzte in Vollzeit, im MVZ seien es nur 50 Prozent. „Mit MVZ und angestellten Ärzten allein kann die Versorgung nicht aufrechterhalten werden. Die selbstständig geführte Praxis muss demnach gefördert werden, um bei gleichbleibender Arztzahl die Versorgung sicherzustellen“, fordert Heinrich. Die Zahlen aus dem Ärztemonitor machten auch deutlich, dass die Arbeit in MVZ nicht weniger Bürokratie bedeutet: Mit 8,2 Wochenstunden benötigen Ärzte dort mehr Zeit für Verwaltung als Ärzte in Gemeinschaftspraxen. „Die Mär von der bürokratiearmen Tätigkeit in MVZ stimmt also nicht“, so Heinrich.

Angesichts der Daten aus dem Report warnt Gassen die Gesundheitspolitiker, nicht stärker in die Arbeit der Vertragsärzte einzugreifen. „Wenn es nicht gelingt, diesen Teufelskreis aus Arbeitszeitverknappung, Zerschlagung selbstständiger Strukturen und Madigmachen eines im Grunde geschätzten und vor allem gebrauchten Berufs zu durchbrechen, wird das System der ambulanten Versorgung früher oder später implodieren“, sagte Gassen.

Körperliche Gewalt nimmt zu

Ein Thema, das viele Ärztinnen und Ärzte in allen Versorgungsebenen bewegt, ist die verbale und körperliche Gewalt, die ihnen immer öfter im Arbeitsalltag begegnet. Für den Ärztemonitor wurde daher auch gefragt, ob es persönliche Erfahrungen mit verbaler und körperlicher Gewalt im Berufsumfeld gab. Hier antworteten 39 Prozent der Ärzte und 21 Prozent der Psychotherapeuten, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten verbale Gewalt erlebt hätten. Körperliche Gewalt haben 26 Prozent der Ärzte einmal in ihrem gesamten Berufsleben erfahren, vier Prozent davon geben an, diese auch in den vergangenen zwölf Monaten erlebt zu haben.

Unter den Psychotherapeuten sind die Werte niedriger: Hier sagen 18 Prozent, Gewalt im Berufsleben erlebt zu haben, zwei Prozent in den vergangenen zwölf Monaten (eGrafik 5) „Statistisch gesehen kommt es täglich zu mindestens 75 Fällen von körperlicher Gewalt gegen niedergelassene Ärzte und ihre Praxisteams“, sagte Heinrich. „Körperliche Gewalt findet gegen Ärztinnen genauso häufig statt wie gegenüber männlichen Kollegen. Das erschreckt mich besonders.“

Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 5
Quelle: Ärztemonitor 2018

Befragt wurden für die Studie 11 000 Ärzte und Psychotherapeuten zwischen Januar und Mai 2018. Aktuelle politische Diskussionen, beispielsweise über die Erweiterung der Sprechstundenzeiten, sind in den Ergebnissen daher nicht enthalten, betonte Studienleiter Leinert.

Antworten auf die Frage, wie die berufliche Tätigkeit unter sechs Aspekten bewertet wird. Die Ergebnisse für Psychotherapeuten finden sich in eGrafik 4.
Antworten auf die Frage, wie die berufliche Tätigkeit unter sechs Aspekten bewertet wird. Die Ergebnisse für Psychotherapeuten finden sich in eGrafik 4.
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Antworten auf die Frage, wie die berufliche Tätigkeit unter sechs Aspekten bewertet wird. Die Ergebnisse für Psychotherapeuten finden sich in eGrafik 4.
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 1
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 2
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 3
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
eGrafik 4
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
Quelle: Ärztemonitor 2018
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Quelle: Ärztemonitor 2018

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Avatar #77636
chrisfwh
am Samstag, 27. Oktober 2018, 13:19

Was für ein Blödsinn. Komplett verfälschte und tendenziöse Schlüsse gezogen.

Ich möchte darum bitten, den Artikel zurückzuziehen oder zumindest die Überschrift komplett zu ändern.
Wie so oft in staatstragenden Organen wird hier bewusst ein Sachverhalt völlig falsch dargestellt, entweder aus intellektuellem Unvermögen oder aus Unredlichkeit.
Wenn jemand auf die Frage, ob er seine Tätigkeit als "nützlich und sinnvoll" betrachtet, mit ja antwortet, dann ist es eine völlige Verdrehung der Wahrheit, daraus einfach den Schluss zu ziehen, dass der Antwortende damit seine Zufriedenheit mit seinem Beruf geäussert hätte. Die Frage hätte dann schon lauten müssen: " Sind Sie mit Ihrem Beruf insgesamt zufrieden?"
Aus den Antworten zu Ihrer o.g. Frage können Sie nur den Schluss ziehen, dass eine grosse Anzahl der Antwortenden IHRE TÄTIGKEIT SINNVOLL FINDET. EINE AUSSAGE ZUR ZUFRIEDENHEIT IST UNZULÄSSIG.

Bitte vor dem Schreiben eines zu publizierenden Artikels erst nachdenken. Sie machen sich mit o.g. Vorgehen verdächtig, Ihre Leser für dumm verkaufen zu wollen.
Mit freundlichen Grüßen
Ein Kritiker
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