ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2018Sexuell übertragbare Erkrankungen: Niedrigschwelliger Zugang zu Beratung

MEDIZINREPORT

Sexuell übertragbare Erkrankungen: Niedrigschwelliger Zugang zu Beratung

Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1956 / B-1632 / C-1618

Schenk, Maren

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Das Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin „Walk in Ruhr“ (WIR) in Bochum ist wegweisend für eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Die Warnung kommt anonym per SMS oder E-Mail. „Ein/e Freund_in von Ihnen hat eine Syphilisinfektion und möchte, dass Sie sich testen und behandeln lassen.“ Es folgen eine Telefonnummer und der Hinweis: „Vertraulich“. Solche Kurzbotschaften an bisherige Partner können Patienten des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin „Walk in Ruhr“ (WIR) in Bochum absetzen. Falls gewünscht, kann man den Empfänger auch nur vage auf ein „mögliches Gesundheitsrisiko“ hinweisen. Auf einer Webseite stehen unterschiedliche Formulierungen zur Auswahl (1).

Das Bochumer Zentrum betreut circa 2 000 Patienten pro Quartal. „Ziel ist es, einen niedrigschwelligen Zugang zu allen im Bereich sexuelle Gesundheit arbeitenden Institutionen unter einem Dach anzubieten“, erklärt der Leiter Prof. Dr. med. Norbert Brockmeyer: „Ganzheitliche Ansprache und ganzheitliche barrierefreie Versorgung sind Eckpfeiler des Zentrums. Medizinische Versorgung steht neben sozialer Beratung, Testung und psychosozialem Angebot.“ Es gebe auch anonyme Beratung, Diagnostik und Therapie – und als ein besonderes Angebot eine traumatherapeutische Sprechstunde (ca. 50 % der Patienten haben Traumaerfahrung).

Als Vorteile des Netzwerks sieht Brockmeyer kurze Wege für die Patienten und transparente Strukturen. Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit zwischen Ambulanz, Gesundheitsamt und AIDS-Hilfe Bochum. Mit anderen Ärzten wird fachübergreifend kooperiert. „Einerseits sollten Haus- und Fachärzte wissen, dass sie Patienten mit Symptomen einer sexuell übertragbaren Erkrankung jederzeit zu uns schicken können. Andererseits setzen wir zusammen mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe ein Curriculum um, mit dem wir das Wissen zur sexuellen Gesundheit stärken.“

Das Internet sei eine treibende Kraft auch für die Verbreitung von STI, so Brockmeyer: So suchen nach Befragungen der Probanden des Zentrums etwa 70 % ihre Sexualpartner über das Internet oder Dating Apps. „Deshalb haben wir Präventionsstrategien entwickelt, die es sonst in Deutschland nicht gibt.“ So bietet die WIR-Internet-Seite einen anonymen Online-Risikotest für STI an (2). Das Besondere daran: Informationen, Tipps und Links gibt es schon während der Beantwortung einzelner Fragen, nicht erst am Ende des Tests.

Das WIR bietet auch ein Selbstentnahme-Kit an, mit dem man sich zu Hause auf HIV, Syphilis, Chlamydien, Mycoplasmen und Gonokokken testen kann. Der Klient schickt den Abstrich ins Labor und erhält die Ergebnisse durch das WIR oder einen anderen eingebundenen Kollegen.

Das WIR arbeitet auch mit Schulen und Jugendeinrichtungen in Bochum und überregional zusammen. So seien 2017 mehr als 800 Schüler erreicht worden. Derzeit werde eine Jugendsprechstunde eingerichtet, inklusive eines Chat-Angebots und eines anonymen Angebots.

1.
www.wir-ruhr.de/angebot/partner-benachrichtigung
2.
www.wir-ruhr.de/angebot/online-risikotest
1. www.wir-ruhr.de/angebot/partner-benachrichtigung
2. www.wir-ruhr.de/angebot/online-risikotest

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