ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018Organentnahme in Deutschland mangelhaft
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Dass die Organentnahme in Deutschland mangelhaft ist, ist mit der wissenschaftlichen Studie belegt (1). Die Studie ist fundiert und praxisgerecht, Einschränkungen sind transparent und plausibel dargestellt. Die genannten Ursachen, die schwerpunktmäßig in den Entnahmekliniken verortet und für den Rückgang postmortaler Organspenden verantwortlich sind, decken sich mit den Erfahrungen des Bundesverbands Niere e. V. Die Ergebnisse der Szenarioanalyse eröffnen die Möglichkeit, Ziele und Strategien zu formulieren, um die Anzahl der Transplantationen nachhaltig zu steigern. Insgesamt ist die Studie eine hervorragende Basis für alle beteiligten Akteure, eine Lösung voranzubringen, die politisch, organisatorisch, rechtlich und medizinisch abgesichert ist.

Die Autorinnen und Autoren stellen zudem ihre Professionalität unter Beweis, indem sie auf die Darstellung einfacher und schneller Lösungsansätze – wie beispielsweise den Vorschlag zur Einführung einer gesetzlichen Regelung (Widerspruchslösung) – verzichten und diese Aufgabe der Politik zuschreiben.

Für die Entnahmekliniken muss eine rechtssichere Grundlage für die Organentnahme vorliegen. Das geschieht zurzeit ersatzweise mit der Angehörigenbefragung. In Zukunft muss dafür die eigene letztwillige Verfügung in elektronischer Form vorliegen – die damit ein rechtlich abgesichertes und überprüfungsfähiges Handeln der Entnahmekliniken auslöst. In der Notfalldatei kann jedermann seine Zustimmung oder Ablehnung zur Organentnahme jederzeit eingeben und ändern. Die Transplantationsbeauftragten und die Intensivmedizin müssen zu diesen Daten rechtzeitig Zugang haben. Das ist unser alternativloses Ziel, das es zu erreichen gilt, damit den Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz neben den Dialyseformen die Nierentransplantation langfristig und bedarfsdeckend erhalten bleibt.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0749a

Martin Koczor
Bundesverband Niere e.V., Mainz

koczor@bnev.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schulte K, Borzikowsky C, Rahmel A, Kolibay F, Polze N, Fränkel P, Mikle S, Alders B, Kunzendorf U, Feldkamp T: Decline in organ donation in Germany—a nationwide secondary analysis of all inpatient cases. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 463–8 VOLLTEXT
1.Schulte K, Borzikowsky C, Rahmel A, Kolibay F, Polze N, Fränkel P, Mikle S, Alders B, Kunzendorf U, Feldkamp T: Decline in organ donation in Germany—a nationwide secondary analysis of all inpatient cases. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 463–8 VOLLTEXT

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