ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018Studie belegt Systemmängel
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Die bundesweite Sekundärdatenanalyse aller vollstationären Behandlungsfälle zeigte, dass der Rückgang der postmortalen Organspenden wesentlich mit einem Erkennungs- und Meldedefizit der Entnahmekrankenhäuser assoziiert ist und weniger mit einer geringeren Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung. Im Gegenteil – diese ist sogar wieder gestiegen. Systemische Verbesserungen sind also überfällig, und die Politik kann den „schwarzen Peter“ nicht länger nur der Bevölkerung zuschieben.

Bereits 2015 legte die Initiative Nierentransplantation einen 5-Punkte-Plan mit Maßnahmen zur Steigerung der Organspenden vor. Beispielsweise die Stärkung der Transplantationsbeauftragten in den Kliniken. Es muss gewährleistet sein, dass Transplantationsbeauftragte ihre Aufgaben ohne Sachzwänge und mit einem hohen Maß an Verantwortung ausüben können. Bis heute ist das nicht überall der Fall, in vielen Kliniken hat der Transplantationsbeauftragte nur eine Feigenblattfunktion. Kein Wunder also, dass die Entnahmequote dann auch niedrig ist.

Auch müssen die Aufwendungen der Entnahmekliniken adäquat vergütet werden. Ein erster Schritt wäre, die Behandlungszeit auf der Intensivstation, die durch die verlängerten Liegezeiten der Spender entstehen, zu bezahlen. Zusätzlich wäre ein transparentes Meldesystem hilfreich, um die Arbeit der Entnahmekliniken vergleichbar darzustellen und Kliniken zu identifizieren, die eine besondere Unterstützung in der Organspende benötigen. Denn derzeit wird lediglich die Anzahl der realisierten Organspenden pro Krankenhaus veröffentlicht. Eine Darstellung der realisierten Organspende im Verhältnis zur Anzahl der möglichen Spender pro Krankenhaus (analog der Studie [1]) würde Entnahmekliniken mit Förderungsbedarf aufdecken.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0749b

Prof. Dr. med. Andreas Kribben

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), Berlin

andreas.kribben@uni-due.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schulte K, Borzikowsky C, Rahmel A, Kolibay F, Polze N, Fränkel P, Mikle S, Alders B, Kunzendorf U, Feldkamp T: Decline in organ donation in Germany—a nationwide secondary analysis of all inpatient cases. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 463–8 VOLLTEXT
1.Schulte K, Borzikowsky C, Rahmel A, Kolibay F, Polze N, Fränkel P, Mikle S, Alders B, Kunzendorf U, Feldkamp T: Decline in organ donation in Germany—a nationwide secondary analysis of all inpatient cases. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 463–8 VOLLTEXT

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