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Wir freuen uns über die positiven Beiträge zu unserer Studie (1), die das primäre Ziel verfolgte, herauszufinden, warum in den letzten Jahren die Anzahl der Organspenden in Deutschland um ein Drittel abgenommen hat. Der Rückgang in diesem Zeitraum ist aber nur eine Facette des deutschen Problems: Auch zu Hochzeiten wurden in Deutschland im internationalen Vergleich wenig Organe gespendet (2).

Bislang dachte man, dass die Einstellung der Bevölkerung Grund für diese niedrigen Spenderraten in Deutschland ist. Diesen Schluss hat das DSO-Inhousekoordinationsprojekt nahegelegt, welches in den Jahren 2010 bis 2012 durchgeführt wurde. Diese Studie kam zu dem Schluss, „dass die im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Spenderraten in Deutschland im Wesentlichen nicht auf unzureichende Meldungen potenzieller Spender durch die Krankenhäuser zurückzuführen sind“ (3). Im Lichte unserer Studie zeigt sich aber, dass die Krankenhäuser, die damals an dem Projekt teilnahmen, nicht im Geringsten repräsentativ für die Gesamtsituation in Deutschland waren. Die Kontaktquote in den Projektkrankenhäusern war nämlich deutlich höher als im bundesweiten Schnitt. Kurzum: Die im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Spenderraten waren eben doch maßgeblich durch eine unzureichende Meldung von potenziellen Spendern bedingt. Würde das aktuell bestehende Meldedefizit in den deutschen Kliniken also konsequent behoben, so bestünde die berechtigte Hoffnung, dass die Organspendezahlen in Deutschland internationales Niveau erreichen – das zeigt auch die von uns durchgeführte Potenzialanalyse.

Wie kann aber nun dem Meldedefizit effektiv begegnet werden? Der Vorschlag von Herrn Prof. Kribben geht genau in die richtige Richtung. Die Organspendeaktivität jedes Entnahmekrankenhauses muss transparent dargestellt werden. Hierfür könnten beispielsweise die von uns beschriebenen Quoten in die Qualitätsberichte der Krankenhäuser integriert werden. Auf dieser Grundlage könnte dann gezielt in den Kliniken interveniert werden, in denen ein Defizit im Organspendeprozess vorliegt.

In dem Zusammenhang sollte auch über den Vorschlag von Herrn Koczor diskutiert werden, eine elektronische Notfalldatei einzuführen. In diesem Falle wäre der Patientenwille eindeutig dokumentiert und somit auch rückwirkend nachvollziehbar, wenn aufgrund einer fehlenden Zustimmung keine Meldung erfolgte.

Nun zur aktuellen Finanzierungsdebatte: In der Annahme, dass es kein Meldedefizit gäbe, wurde 2012 konsequenterweise die Entscheidungslösung eingeführt. Seitdem werden an alle gesetzlich Versicherten – mehr als 72 Millionen Menschen – regelmäßig Informationsbroschüren und Organspendeausweise verschickt. Allein die Portokosten für diese Maßnahme übersteigen die Aufwandserstattung, die die Krankenhäuser jährlich für tatsächlich realisierte Organentnahmen erhalten – 2017 waren es circa vier Millionen Euro – um ein Vielfaches. Vor dem Hintergrund der oben dargestellten Erkenntnis sollte diese Mittelverwendung nochmals überdacht werden.

Trotzdem, die finanziellen Rahmenbedingungen dürfen nicht den Blick auf das entscheidende Problem versperren. Dass einige Kliniken unter den jetzigen Rahmenbedingungen einen hervorragenden Job machen beweist, es geht!

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0749c

Für die Autoren

Dr. med. Kevin Schulte

Prof. Dr. med. Thorsten Feldkamp

Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Kevin.Schulte@uksh.de

Interessenkonflikt

Dr. Schulte erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Prof. Feldkamp bekam Beraterhonorare von Bristol-Myers Squibb (BMS), Roche, Novartis, Fresenius, Chiesi, Teva, Noevii, Hexal und Sanofi. Für eine Autoren- bzw. Co-Autorenschaft einer Publikation mit Bezug zum Thema wurde er honoriert von Novartis. Er bekam Kongressgebühren- und/oder Reisekostenerstattung und/oder Vortragshonorare von Biotest, Sanofi, BMS, Astellas, Chiesi, Novartis, Neovii, Roche, Hexal, Fresenius und Sanofi. Studienunterstützung (Drittmittel) wurde ihm zuteil von Chiesi, BMS, Astellas, Novartis, Hexal und Teva. Er ist Mitglied der Nierentransplantationskonferenz des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel.

1.
Schulte K, Borzikowsky C, Rahmel A, Kolibay F, Polze N, Fränkel P, Mikle S, Alders B, Kunzendorf U, Feldkamp T: Decline in organ donation in Germany—a nationwide secondary analysis of all inpatient cases. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 463–8 VOLLTEXT
2.
Weiss J, Elmer A, Mahillo B, et al.: Evolution of deceased organ donation activity vs. efficiency over a 15 year period: an international comparison. Transplantation 2018. doi: 10.1097/TP.0000000000002226. [Epub ahead of print] CrossRef
3.
Blum K: Inhousekoordination bei Organspenden, Abschlussbericht, Deutsches Krankenhausinstitut. www.dki.de/sites/default/files/downloads/inhousekoordination_bei_organspenden.pdf.
1.Schulte K, Borzikowsky C, Rahmel A, Kolibay F, Polze N, Fränkel P, Mikle S, Alders B, Kunzendorf U, Feldkamp T: Decline in organ donation in Germany—a nationwide secondary analysis of all inpatient cases. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 463–8 VOLLTEXT
2.Weiss J, Elmer A, Mahillo B, et al.: Evolution of deceased organ donation activity vs. efficiency over a 15 year period: an international comparison. Transplantation 2018. doi: 10.1097/TP.0000000000002226. [Epub ahead of print] CrossRef
3.Blum K: Inhousekoordination bei Organspenden, Abschlussbericht, Deutsches Krankenhausinstitut. www.dki.de/sites/default/files/downloads/inhousekoordination_bei_organspenden.pdf.

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