ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenKardiologie 2/2018Wiederbelebung: Die Laienreanimationsquote steigt – endlich

Supplement: Perspektiven der Kardiologie

Wiederbelebung: Die Laienreanimationsquote steigt – endlich

Dtsch Arztebl 2018; 115(44): [30]; DOI: 10.3238/PersKardio.2018.11.02.06

Zylka-Menhorn, Vera

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Durch gezielte Projekte unterschiedlicher Art, potenziellen Ersthelfern Basismaßnahmen zu vermitteln, sowie zahlreiche Kooperationen konnte eine Trendwende erreicht werden.

Jährlich erleiden mehr als 50 000 Menschen deutschlandweit einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses. Der Erfolg außerklinischer Reanimationen beruht neben hoch qualitativen Reanimationsmaßnahmen durch den Rettungsdienst in erster Linie auf dem schnellen Beginn von Basismaßnahmen durch Ersthelfer.

Lag die Laienreanimationsquote in Deutschland 2008 nur bei 16 %, konnte durch vielfältige Ausbildungs- und Aufklärungsaktivitäten des German Resuscitation Councel (GRC) eine Trendwende erreicht werden. Nach den vom Deutschen Reanimationsregister veröffentlichten Zahlen für 2017 beträgt sie jetzt 42 %. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit weiterhin im unteren Drittel. Am besten schneiden die skandinavischen Länder ab. In Norwegen liege die Laienreanimationsquote bei 70 %. Zudem bestehen in Deutschland deutliche Unterschiede bei der Ersten Hilfe zwischen Stadt und Land.

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Der German Resuscitation Councel wurde im Dezember 2007 gegründet und zählt mittlerweile 1 000 Mitglieder, 17 Mitgliedsorganisationen, 16 Fördermitglieder und 11 Businesspartner. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen:

Schülerausbildung in Wiederbelebung (Kids save lives): 2014 hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, ein Wiederbelebungstraining deutschlandweit ab Klasse 7 in allen Schulen mit 2 Unterrichtsstunden pro Jahr einzuführen. Entsprechend geschulte Lehrkräfte können den Unterricht übernehmen. Hierfür liegt seit 2013 ein Ausbildungskonzept vor, das flächendeckend genutzt werden kann. Der Umsetzungsstand in den Bundesländern ist derzeit allerdings noch sehr unterschiedlich.

Demonstration für Laien: Hinsichtlich der Reanimationsqualität scheint in der Schwerelosigkeit die Handstandtechnik am besten geeignet zu sein, um einen Herz- Kreislauf-Stillstand zu behandeln. Foto: ESA
Demonstration für Laien: Hinsichtlich der Reanimationsqualität scheint in der Schwerelosigkeit die Handstandtechnik am besten geeignet zu sein, um einen Herz- Kreislauf-Stillstand zu behandeln. Foto: ESA

First-Responder-Systeme: 8½ Minuten dauert es in Deutschland durchschnittlich, bis ein Rettungswagen eintrifft. Das ist im internationalen Vergleich ein guter Wert. Noch schneller zu werden, erscheint mit der Infrastruktur der Rettungswachen und Leitstellen unrealistisch. Hier setzte das Konzept der First Responder an: Hierbei werden registrierte Ersthelfer über ihr Smartphone geortet und alarmiert. Neuerdings gibt es zudem auch eine kostenfreie App (Mobile Lebensretter), die der Idee der First Responder noch eine weitere Ebene gibt. Das Prinzip: Wer in Not ist, kann den Notfall-Button drücken. Die App wählt die Nummer des Rettungsdienstes und benachrichtigt gleichzeitig bis zu 5 Menschen in der Nähe, die ebenfalls die App installiert haben. Diese werden zum Ort des Geschehens gelotst.

Cardiac-Arrest-Center: Bei außerhalb von Krankenhäusern erfolgreich reanimierten Patienten ist die weitere Prognose wesentlich von der Fachkompetenz und der Ausstattung der weiterbehandelnden Klinik abhängig. In den aktuellen internationalen Leitlinien zur Reanimation wird daher gefordert, prähospital erfolgreich reanimierte Patienten in spezialisierten Krankenhäusern, den Cardiac-Arrest-Centers, weiterzubehandeln. Damit diese nach einheitlichen Kriterien handeln, hat eine Arbeitsgruppe aus Anästhesiologen, Kardiologen und Intensivmedizinern Basisanforderungen für diese Einrichtungen erstellt.

Woche der Wiederbelebung: In Deutschland findet seit 2013 unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit, auf Initiative der Deutschen Anästhesiologie und des GRC, die „Woche der Wiederbelebung“ statt (2018 vom 17.–23. September). In dieser Zeit werden bundesweit mehr als 800 Veranstaltungen durchgeführt, die darauf abzielen, Laien in der Herzdruckmassage zu unterrichten und die Menschen zu ermutigen, bei einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses Leben zu retten.

World Restart a Heart Day: Zur Steigerung der Laienreanimation wurde 2013 der „European Restart a Heart Day“ in über 20 europäischen Ländern veranstaltet. Die Aktion wurde dieses Jahr global durchgeführt: Am 16. Oktober fand der erste „World Restart a Heart Day“ statt.

Wiederbelebung auf der ISS: In Kooperation mit der European Space Agency (ESA) ist auf der Internationalen Raumstation (ISS) ein Video zum Thema Wiederbelebung entwickelt worden. In dem etwa 3½-minütigen Film erklärt ESA-Astronaut Paolo Nespoli Details der Laienreanimation. Das Video kann als Schulungsmaterial von der Homepage des GCR heruntergeladen werden.

DOI: 10.3238/PersKardio.2018.11.02.06

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Link zum Video:
http://daebl.de/YS85

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