ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018Laser und Co: Unter Arztvorbehalt

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Laser und Co: Unter Arztvorbehalt

Dtsch Arztebl 2018; 115(44): A-1994 / B-1667 / C-1653

Hillienhof, Arne

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Das Strahlenschutzrecht wird umfassend modernisiert. Erstmalig wird auch die Anwendung nichtionisierender Strahlung zu kosmetischen Zwecken geregelt.

Die Entfernung von Tätowierungen mit Hochleistungslasern steht künftig unter Arztvorbehalt. Foto: picture alliance
Die Entfernung von Tätowierungen mit Hochleistungslasern steht künftig unter Arztvorbehalt. Foto: picture alliance

Besonders risikobehaftete Verfahren, zum Beispiel die Entfernung von Tätowierungen mit Hochleistungslasern, unterliegen zukünftig dem Arztvorbehalt.

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Am 19. Oktober 2018 hat der Bundesrat die „Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts“ beschlossen. Dieses über 500 Seiten umfassende Werk enthält in Art. 4 (NiSV – Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen) erstmalig gesetzliche Festlegungen zum Schutz der Menschen vor den schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung, wenn diese zu kosmetischen oder sonstigen nichtmedizinischen Zwecken angewendet wird.

Mit der NiSV werden Anwendungen, bei denen Hochfrequenzgeräte, Ultraschall und Magnetresonanzverfahren zum Einsatz kommen, sowie elektrische Nerven- und Muskelstimulationen, Magnetfeldstimulationen sowie die Stimulation des Zentralen Nervensystems geregelt. Ebenfalls fallen Anwendungen mit Hochleistungslasern und intensiven, hochenergetischen Lichtquellen in den Regelungskreis der NiSV. Diese werden häufig zu kosmetischen Zwecken angewendet, zum Beispiel zur Entfernung von Tätowierungen, Haaren und Pigmentstörungen oder zur Behandlung von Gefäßveränderungen.

Unterschiedliche Anwendungen

Mit der NiSV wird grundsätzlich unterschieden zwischen Anwendungen, die nur von approbierten Ärzten mit entsprechender Fachkunde erbracht werden dürfen, und Anwendungen, die auch künftig nicht unter Arztvorbehalt stehen.

Die zukünftig unter den Arztvorbehalt fallenden Anwendungen sind in den jeweiligen Paragrafen der NiSV eindeutig benannt. Es handelt sich hierbei um solche Verfahren, die bei unsachgemäßer Durchführung mit einem sehr hohen gesundheitlichen Gefährdungspotenzial für die behandelten Menschen verbunden sind. Bei der Entfernung von Tätowierungen mit Hochleistungslasern besteht zum Beispiel bei nicht sachgerechter Anwendung unter anderem die Gefahr schwerer Verbrennungen der Haut sowie die Gefahr irreversibler Augenschäden.

Der Regierungsentwurf der Verordnung sah zunächst vor, dass diese Anwendungen nur von zwei Facharztgruppen, Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Fachärzte für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, erbracht werden dürfen.

Der Bundesrat folgte aber letztendlich einer von der Bundes­ärzte­kammer initiierten und seitens des Gesundheitsausschusses des Bundesrates befürworteten Änderungsempfehlung, nach der alle approbierten Ärzte, die im Rahmen ihrer Weiter- oder Fortbildung die notwendige Fachkunde erworben haben, berechtigt sind, die genannten Verfahren anzuwenden.

Andere Verfahren mit einem geringeren gesundheitlichen Gefährdungspotenzial, zum Beispiel Haarentfernungen unter dem Einsatz von Lasern, unterliegen gemäß der neuen Verordnung auch künftig nicht dem Arztvorbehalt, da bei dieser Form der Laseranwendung nur die Haarwurzeln selektiv geschädigt werden, die Integrität der Epidermis als Schutzbarriere bei diesem Verfahren aber in der Regel nicht verletzt wird.

Die Erlaubnis zur Anwendung aller von der NiSV adressierten Anwendungen steht zukünftig unter dem Vorbehalt des Nachweises der erforderlichen Fachkunde, und zwar unabhängig davon, welches Gesundheitsrisiko von der jeweiligen Behandlungsform ausgeht. Für approbierte Ärzte, die im Rahmen ihrer Weiter- oder Fortbildung die notwendige Fachkunde erworben haben, gilt dieser Nachweis damit als erbracht.

Fachkunde erforderlich

Für alle anderen Personen gilt, dass sie die ihnen offenstehenden NiSV-Anwendungen – also zum Beispiel die Haarentfernung mittels Laser – ab dem 31. Dezember 2021 nur noch dann erbringen dürfen, wenn sie die hierfür erforderliche Fachkunde besitzen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) hat bis Ende 2021 Zeit, das notwendige Fachkundekonzept für Nichtärzte zu erarbeiten.

Die NiSV und damit der Arztvorbehalt für besonders risikobehaftete Anwendungen wird bereits zum 31. Dezember 2020 in Kraft treten. Dr. med. Arne Hillienhof

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