ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018Sportverletzungen: Die Verletzungsinzidenz bei Feldhockey ist hoch und erfordert bessere Prävention

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sportverletzungen: Die Verletzungsinzidenz bei Feldhockey ist hoch und erfordert bessere Prävention

Dtsch Arztebl 2018; 115(44): A-2012 / B-1679 / C-1664

Gerste, Ronald D.

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Foto: mauritius images
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Eishockey gilt als eher „rauhe“ Sportart, Feldhockey dagegen als physisch weniger gefährlich. Die Prävalenz von verletzten Feldhockeyspielern während einer Saison wurde in früheren, häufig retrospektiven Studien mit 38–64 % angegeben (zit. n. [1]). Als Ursachen für die große Bandbreite der Prävalenz werden regionale Unterschiede in der Art und Intensität des Trainings und der Belastung durch Spiele vermutet. Fragestellung einer internationalen Autorengruppe unter Federführung der Abteilung für Sportmedizin der Universität Hamburg war, wie häufig und wie schwer Verletzungen bei deutschen Hockeyspielern sind (1).

Prospektiv wurden 12 Monate lang 232 Hockeyspieler (zu 68 % männlich, Durchschnittsalter: 20,7 Jahre) des Hamburger Hockey-Verbandes beobachtet. Sie spielten in der 1.–4. Liga und in der Jugendliga. Die Mehrzahl (n = 190) absolvierte im Laufe von 12 Monaten sowohl eine Indoor- als auch eine Outdoor-Saison. Im Beobachtungszeitraum wurden 108 neue Verletzungen bei 84 Spielern berichtet. Das bedeutet: 36,2 % der Spieler waren im 1-Jahres-Zeitraum verletzt, die Inzidenz betrug 3,7 Verletzungen/1 000 gespielte Stunden (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [3,0; 4,4]). Im Training waren Verletzungen mit 2,7/1 000 Stunden (2,0; 3,3) deutlich seltener als im Spiel gegen eine andere Mannschaft mit 9,7/1 000 Stunden (6,8; 12,7). In der Verletzungshäufigkeit unterschieden sich männliche und weibliche Spieler nicht signifikant, auch die Saison (Sporthalle vs. Außenbereich) hatte keinen relevanten Einfluss.

59,3 % der Verletzungen betrafen die untere Extremität (Schienbein, Knie, Knöchel), 19,4 % die obere Extremität, 9,3 % den Rumpf und 5,6 % den Kopf. 58,3 % der Verletzungen erfolgten ohne Kontakt mit anderen Spielern. Als leicht wurden 38 % der Verletzungen eingestuft, als moderat 30,5 % und als schwer 31,5 %.

Fazit: „Belastungen und Verletzungsrisiken bei Feldhockey sind spezifisch für die Sportart und unterscheiden sich deutlich von anderen Sportarten, auch von Eishockey“, kommentiert Prof. Dr. med. Henner Hanssen vom Department für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG) der Universität Basel. „Die Unterschiede zum Eishockey basieren darauf, dass der Untergrund bei Feldhockey stumpf ist. Zum anderen sind die Spieler nicht vergleichbar geschützt wie beim Eishockey.“ Die Frage sei daher, wie sich der vergleichsweise hohen Verletzungsanfälligkeit vorbeugen lasse.

Eine aktuelle Studie aus der Trainingswissenschaft des DSBG habe für Fußballspieler aus 4 europäischen Ländern inklusive Deutschland belegt, dass ein spezifisches Aufwärmprogramm mit Fokus auf Stabilität in der Bewegung, Kraft und Falltechnik (15–20 Minuten) die Verletzungsrate erheblich senken und die Kosten für die medizinische Versorgung halbieren konnte (2). Solche sportartspezifischen Maßnahmen zur Verletzungsprävention sollten auch für Hockey flächendeckend umgesetzt werden. Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Hollander K, Wellmann K, zu Eulenburg C, et al.: Epidemiology of injuries in outdoor and indoor hockey players over one season: a prospective cohort study. Br J Sports Med 2018; 52: 1091–1096.
  2. Rössler R, Verhagen E, Rommerset N, et al.: Comparison of the ‘11+ Kids’ injury prevention programme and a regular warmup in children’s football (soccer): a cost effectiveness analysis. Br J Sports Med. 2018; doi: 10.1136/bjsports-2018–099395.

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