ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018Auswahl Medizinstudium: Schmaler Grad zur Diskriminierung
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Es erstaunt das fehlende ethische Problembewusstsein in diesem Artikel – immerhin wird eine Selektion von Studienplatzbewerbern nach (prognostizierter) psychischer Gesundheit propagiert. Die ethische Behandlung des Themas erschöpft sich in dem tadelnden Hinweis, dass eine solche Selektion bisher als „Tabu“ gilt. (Vielleicht zurecht?)

Die Autoren haben sicherlich recht, dass (1) das Thema der psychischen Gesundheit/Krankheit von Medizinstudenten/-innen und Ärzten/-innen breit diskutiert werden und (2) im Medizinstudium hier der Kompetenzvermittlung ein viel größerer Stellenwert zukommen sollte. Auch mag es richtig sein (wenn man sich denn der allgemeinen Kompetenzbegeisterung anschließen möchte), dass die Kompetenz, die eigene psychische Belastung zu reflektieren und mit ihr aktiv umzugehen, eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Medizinstudium und Ärztedasein ist.

Wenn man von solch komplexen Kompetenzen aber die Studienplatzvergabe abhängig macht, ist der Grat schmal zu einer Diskriminierung von kranken Menschen – und für eine solche bedürfte es schon einer sehr soliden sachlichen Begründung und einer fundierten ethischen Diskussion. Darauf sollte in einem solchen Artikel zumindest hingewiesen werden.

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Dr. med. Christian Clemm v. Hohenberg, 68159 Mannheim

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