ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018HIV-Infektion: Komplettregime mit Bictegravir

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HIV-Infektion: Komplettregime mit Bictegravir

Dtsch Arztebl 2018; 115(44): A-2014

Warpakowski, Andrea

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Eine einmal täglich anzuwendende Fixdosiskombination mit dem neuen ungeboosterten Integrasehemmer Bictegravir eignet sich für ältere Patienten mit Begleitmedikationen.

Für die Behandlung von HIV-1infizierten Erwachsenen ist seit Juni das Single-Tablet-Regime aus dem Integraseinhibitor (INI) Bictegravir und den beiden Nukleos(t)idalen Reverse-Transkriptaseinhibitoren (NRTI) Emtricitabin und Tenofoviralafenamid zugelassen. Das neue Komplettregime enthält in einer Tablette 50 mg Bictegravir, 200 mg Emtricitabin und 25 mg Tenofoviralafenamid (Biktarvy®; BIC/ FTC/TAF).

BIC/FTC/TAF erweitere die Palette der INI-basierten Fixdosiskombinationen mit Bictegravir als ersten ungeboosterten INI in Kombination mit dem in Leitlinien bevorzugten NRTI-Backbone FTC/TAF, konstatierte Prof. Dr. med. Jürgen Rockstroh, Bonn. Er hob die lange Verweildauer von Bictegravir am aktiven Zentrum eines der Schlüsselenzyme der viralen Replikation, der Integrase, im Vergleich zu den 3 anderen verfügbaren INIs hervor – 38 Stunden im Vergleich zu 1,5 bis 16 Stunden. Zusätzlich habe Bictegravir unter den INIs mit 18 Stunden auch die längste Halbwertzeit.

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Langer Verbleib unter Therapie

Da BIC/FTC/TAF eine hohe Resistenzbarriere besitze, steige die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten lange unter der einmal begonnenen Therapie verbleiben, so Rockstroh. Weitere Vorteile seien die von Mahlzeiten unabhängige Einnahme nur einer Tablette pro Tag und dass bei Patienten mit einer geschätzten Kreatinin-Clearance von ≥ 30 ml/min keine Dosisanpassung nötig sei. Das neue Single-Tablet-Regime ist Rockstroh zufolge für die meisten HIV-infizierten Erwachsenen gut geeignet, insbesondere auch für ältere Patienten mit Begleiterkrankungen und entsprechender Begleitmedikation, da das Potenzial für Medikamenteninteraktionen gering sei.

Basis der Zulassung von BIC/FTC/TAF waren die 48-Wochen-Daten von 4 noch laufenden Phase-III-Zulassungsstudien mit insgesamt 2 415 Patienten. Je 2 der Studien wurden mit therapienaiven Patienten und mit virologisch supprimierten Patienten durchgeführt. Rockstroh stellte die beiden randomisierten, doppelblinden Nicht-Unterlegenheitsstudien mit BIC/FTC/TAF als initiale Therapie vor.

In der Studie 1489 erhielten 314 therapienaive Patienten einmal täglich BIC/FTC/TAF und 315 Patienten die Fixkombination aus dem INI Dolutegravir in Kombination mit den beiden NRTIs Abacavir und Lamivudin (DTG/ABC/3TC) (1). Zusätzlich erhielten die Patienten Plazebo der jeweiligen Vergleichsregime.

Beim primären Endpunkt, dem Anteil der Patienten mit einer nicht nachweisbaren Viruslast von < 50 HIV-RNA-Kopien/ml zu Woche 48, war BIC/FTC/TF DTG/ABC/3TC nicht unterlegen: 92,4 beziehungsweise 93,0 % waren zu diesem Zeitpunkt virologisch supprimiert (Intent-to-Treat-FDA-Snapshot-Analyse). Die Zunahme der CD4-Zellen war mit 233 beziehungsweise 229 Zellen/μl vergleichbar. In beiden Studienarmen traten keine Viren mit INI- oder NRTI-Resistenzen auf.

4 Patienten brachen im DTG-Arm die Studie aufgrund von Nebenwirkungen ab: je ein Patient wegen Übelkeit, Thrombozytopenie, chronische Pankreatitis und Depression. Im BIC-Arm beendete kein Patient vorzeitig die Studie aufgrund von Nebenwirkungen.

In die Studie 1490 wurden 645 therapienaive HIV-Patienten eingeschlossen. Sie erhielten entweder BIC/FTC/TAF (n = 320) oder DTG plus FTC/TAF (n = 325) und jeweils zusätzlich Plazebo des Vergleichregimes (2).

Keine Resistenzen nachgewiesen

Auch in dieser Studie war BIC/FTC/TAF DTG plus FTC/TAF im primären Endpunkt nicht unterlegen: Nach 48 Wochen hatten in der Snapshot-Intent-to-Treat-(ITT)-Analyse 89,4 % der Patienten unter BIC/FTC/TAF und 92,9 % unter DTG plus FTC/TAF eine Viruslast von < 50 Kopien/ml. Wurden die 7 Patienten ohne Viruslastmessung zu Woche 48 aus dem BIC-Arm von der Analyse ausgeschlossen (modifizierte ITT-Population), betrug der Anteil 91,4 versus 92,9 %. Auch in dieser Studie konnten keine gegen INIs oder NRTIs gerichtete Resistenzen nachgewiesen werden.

BIC/FTC/TAF wird zurzeit in Studien bei Frauen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren untersucht. Andrea Warpakowski

Quelle: Pressekonferenz „Update: Neue Möglichkeiten in der HIV-Therapie“ am 22. Juni 2018 im Rahmen des 14. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, Köln. Veranstalter: Gilead Sciences.

1.
Gallant J, Lazzarin A, Mills A, et al.: Bictegravir, emtricitabine, and tenofovir alafenamide versus dolutegravir, abacavir, and lamivudine for initial treatment of HIV-1 infection (GS-US-380–1489): a double-blind, multicentre, phase 3, randomised controlled non-inferiority trial. Lancet 2017; 390: 2063–72 CrossRef
2.
Sax PE, Pozniak A, Montes ML, et al.: Coformulated bictegravir, emtricitabine, and tenofovir alafenamide versus dolutegravir with emtricitabine and tenofovir alafenamide, for initial treatment of HIV-1 infection (GS-US-380–1490): a randomised, double-blind, multicentre, phase 3, non-inferiority trial. Lancet 2017; 390: 2073–82 CrossRef
1.Gallant J, Lazzarin A, Mills A, et al.: Bictegravir, emtricitabine, and tenofovir alafenamide versus dolutegravir, abacavir, and lamivudine for initial treatment of HIV-1 infection (GS-US-380–1489): a double-blind, multicentre, phase 3, randomised controlled non-inferiority trial. Lancet 2017; 390: 2063–72 CrossRef
2.Sax PE, Pozniak A, Montes ML, et al.: Coformulated bictegravir, emtricitabine, and tenofovir alafenamide versus dolutegravir with emtricitabine and tenofovir alafenamide, for initial treatment of HIV-1 infection (GS-US-380–1490): a randomised, double-blind, multicentre, phase 3, non-inferiority trial. Lancet 2017; 390: 2073–82 CrossRef

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