ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2018Wissenschaftspublikation: Skotom der Wissenschaftskritik
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Für Leser wie Autor mögen die Bedingungen der Veröffentlichung in neuen Zeitschriftenformaten attraktiver sein als in den ehrwürdigen Journalen etablierter Verlage. Kostet doch die Veröffentlichung unter dem Mantel von RELX-Gruppe, Wiley, Springer Nature den Autoren 4 000 US-Dollar und dem Leser 40 bis 80 US-Dollar pro Artikel. Institutionen zahlen für den Bezug der Elsevier-Zeitschrift Tetrahedon 40 000 US-Dollar jährlich. In der Kritik an neuen, schneller publizierenden und preiswerteren Medien des Wissensaustausches ist ein blinder Fleck. Das Fachbuch „Rheumatology“ des Elsevier-Verlages verteuerte sich innerhalb von zwei Jahren von 450 auf 650 US-Dollar, ohne dass diese Preisplatzierung allerdings weltweit durchsetzbar war. Die kollektive Intelligenz des Marktes nimmt Nepp wahr, welchen der Intellekt des Wissenschaftlers übersieht.

Der Zugang zur Veröffentlichung in Fachzeitschriften ist alles andere als frei. Die Mitgliedschaft in der Fachgesellschaft bestimmt ultivativ über die Veröffentlichung. So überprüfe man doch die Quote von Artikeln der Zeitschrift für Allgemeinmedizin, deren Autoren nicht beitragspflichtige Mitglieder sind. Transparenter ist da schon ein Angebot der Science Research Association. Mitgliedsgebühren werden mit den Publikationsgebühren verrechnet. Mit dem doppelt- bis dreifach teuereren Status „Senior Member“ entfallen die Publikationsgebühren sogar (http://www.scirea.org/membership).

Begutachtungen, welche länger als ein Jahr dauern, verprellen Autoren. Die Wertung „Unter Vortäuschung von Peer Review, seriöser Herausgeberschaft und sonstiger Kennzeichen hochwertiger Zeitschriften verfolgten sie nur das Ziel, Einkommen zu generieren“, kann hier vollständig übernommen werden. Die Séralin-Affäre – um eine Studie über das Herbizid Roundup – belegt starke Einflussnahmen auf den Publikationsprozess in traditionellen Journalen. So kann nicht nachvollzogen werden, dass die politisch gewünschte, von Lesern ersehnte Open-Access-Entwicklung die treibende Kraft für missbräuchliche Selektion von Fachartikeln ist. Da schwimmen wohl vielmehr die Felle weg und findige Unternehmer stricken neue Geschäftsmodelle.

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Dr. med. Martin P. Wedig, 44627 Herne

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