ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2018Akute myeloische Leukämie mit hohem Risiko: Frühmortalität bei Cytarabin-Daunorubicin-Liposomen versus Standard reduziert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akute myeloische Leukämie mit hohem Risiko: Frühmortalität bei Cytarabin-Daunorubicin-Liposomen versus Standard reduziert

Dtsch Arztebl 2018; 115(45): A-2073 / B-1724 / C-1702

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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Akute myeloische Leukämien (AML) entstehen meist de novo, teilweise als Hochrisikoerkrankung mit komplexer Zytogenetik. Ein Viertel der AML-Erkrankungen sind sekundäre Formen (sAML): nach früherer hämatologischer Erkrankung, nach Chemotherapie oder Bestrahlung. Die sAML ist mit erhöhtem Risiko assoziiert, die Prognose im Allgemeinen ungünstig. Die Häufigkeit der sAML steigt mit zunehmendem Alter an.

Für die Therapie ist ein 7 + 3 Regime Standard: Cytarabin kontinuierlich für 7 Tage i. v. und für 3 Tage jeweils täglich die Injektion eines Anthrazyklins. Ältere Patienten sprechen allerdings schlechter an und die Frühmortalität ist erhöht.

In einer randomisierten kontrollierten Phase-3-Studie ist eine Kombination aus Cytarabin und Daunorubicin in Liposomen (molares Verhältnis 5 : 1; CPX-351) mit der Standardapplikation der beiden Zytostatika verglichen worden. Durch eine Induktionstherapie mit höchstens 2 Zyklen sollte eine komplette Remission (CR) oder eine inkomplette CR mit unvollständiger Erholung von Neutrophilen und Thrombozyten erzielt werden.

Eine erste Induktion erfolgte mit CPX-351 an den Tagen 1, 3 und 5 jeweils als 90-Minuten-Infusion und bei ungenügendem Ansprechen eine zweite Induktion an den Tagen 1 und 3. Im Standardarm (Kontrolle) war das Induktionsregime 7 + 3 und bei ungenügender Response ein zweiter Zyklus (5 + 2). In beiden Gruppen schloss sich eine Erhaltungstherapie mit den jeweiligen Medikamenten an.

309 Patienten im Alter von 60– 75 Jahren mit neu diagnostizierter Hochrisiko-AML (5 verschiedene Subtypen) wurden randomisiert und dann unverblindet mit CPX-351 (n = 153) oder Standard (n = 156) therapiert. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben. Es lag bei median 9,56 Monaten unter CPX-351 und bei median 5,95 Monaten in der Gruppe mit Standardbehandlung (Hazard Ratio [HR] für Tod unter CPX-351: 0,69; [95-%-Konfidenzintervall] [95-%- KI] [0,52; 0,90]; p = 0,003). Auch die Remissionsrate (CR plus CRi) war bei CPX-351 mit 47,7 % signifikant höher als im Kontrollarm mit 33,3 % (p = 0,016). Die besseren Therapieergebnisse mit CPX-351 wurden unabhängig von den Altersgruppen (60–69 Jahre/70–75 Jahre) und den AML-Subtypen beobachtet. Insgesamt konnten 29,4 % allogen transplantiert werden: 34,0 % unter CPX-351 und 25,0 % beim 7 + 3-Regime. Die allogene Stammzelltransplantation ist die einzige potenziell kurative Therapie. Unerwünschte Wirkungen entsprachen dem bekannten Sicherheitsprofil von Cytarabin und Daunorubicin.

Fazit: „Das Gesamtüberleben war bei der Therapie mit CPX-351 im Vergleich zum Standardregime signifikant erhöht, aber auch der Anteil der Patienten, die allogen transplantiert werden konnten“, kommentiert Prof. Dr. med. Uwe Platzbecker, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik 1 am Universitätsklinikum Leipzig. Und für Patienten mit allogener Stammzelltransplantation nach CPX-351 sei die Prognose 24 Monate nach Transplantation deutlich besser gewesen als nach 7 + 3-Behandlung.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Lancet JE, Uy GL, Cortes JE, et al.: CPX-351 (cytarabine and daunorubicin) liposome for injection versus conventional cytarabine plus daunorubicin in older patients with newly diagnosed secondary acute myeloid leukemia. Journal of Clinical Oncology 2018; 36: 2684–92.

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