ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2018Nationalsozialismus: Ausstellung erinnert an Verbrechen gegen Kranke

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Nationalsozialismus: Ausstellung erinnert an Verbrechen gegen Kranke

Dtsch Arztebl 2018; 115(45): A-2040

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Die Ausstellung wurde in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erstellt und hatte nach ihrer Eröffnung im Jahr 2014 im Deutschen Bundestag mehr als 355 000 Besucher. Sie war international in 50 Orten zu sehen.
Die Ausstellung wurde in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erstellt und hatte nach ihrer Eröffnung im Jahr 2014 im Deutschen Bundestag mehr als 355 000 Besucher. Sie war international in 50 Orten zu sehen.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zeigt vom 9. bis 20. November in Berlin die Wanderausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“. Die Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) dokumentiert die Beteiligung von Ärzten an der systematischen Ermordung von Kranken.

Die als „Euthanasieprogramm“ getarnte Ermordung von mehr als 200 000 psychisch kranken und geistig behinderten Menschen war eine nationalsozialistische Vernichtungsaktion gegen jeden, der nicht ihren Vorstellungen entsprach und als Belastung für die deutsche „Volksgemeinschaft“ diffamiert wurde. Nahezu 400 000 Zwangssterilisationen erfolgten ab 1934. Beteiligt waren nicht nur Verwaltung, sondern auch Psychiater, Kinder- und andere Fachärzte sowie Pflegekräfte.

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Die Ausstellung greift exemplarische Biografien der Opfer und ihrer Täter auf. Der Blick der an den Verbrechen beteiligten Akteure auf ihre Patienten wird entlarvt und ihre Äußerungen werden mit dem Schicksal der Opfer kontrastiert. In fünf Kapiteln wird der Besucher an den Leidensweg der Menschen herangeführt. Den Einstieg bieten Fotografien. Dann wird die Frage nach dem Wert des Lebens gestellt, verknüpft mit propagandistischen erbbiologischen Blickwinkeln. Der „Erbwert“ des Menschen als rassenhygienische Politik mit dem Ziel, die Bevölkerung „erbbiologisch“ zu kategorisieren – mit erschütternden Folgen: Zwangssterilisation und Ermordung von Menschen. Intensiv werden im vorletzten Kapitel die Handlungsspielräume der Täter und Tatbeteiligten mit Wirkung der Morde in Gesellschaft, Familie und Kirche beleuchtet. Die Ausstellung schließt mit einer Darstellung über den Kampf der Überlebenden und der Angehörigen ermordeter Patienten um gesellschaftliche und juristische Anerkennung des Unrechts. EB

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