ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2018Kohlenhydrate: Dauer ist entscheidend
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Jahr für Jahr werden neue Konzepte in der Adipositastherapie angepriesen und die Empfehlungen wechseln häufig, aktuell von „Low carb“ zu „Ketogen“ wie in dem Artikel von Dr. Lenzen Schulte. Es ist richtig, das auch eine ketogene Diät erfolgreich zur Verbesserung vieler Diabetesparameter führt. Die von Hellberg et al. zitierte Studie wurde von der Virta Health Corp gesponsert, die ihr Diätprogramm nun im ersten Jahr mit ca. 5 000 Dollar Teilnehmergebühr/Jahr/pro Person vermarktet. Nicht angegeben wird die Häufigkeit der Betreuung in der Standardversorgung. Es ist bekannt, dass in der Ernährungs-/Adipositas- und Diabetestherapie eine starke Intervention auch zu starker Gewichtsreduktion und damit auch zur Diabetesverbesserung führt (Populär: The Biggest Looser). Lediglich dies ist auch das Ergebnis der zitierten Einjahresstudie: eine intensive Betreuung durch Schulungsmaßnahmen auch via moderner IT- Kommunikation führt zu Gewichtsreduktion und Verbesserung von Stoffwechsel- Parametern. Gängige Kassenkurse und Ernährungskurse werden von den Krankenkassen mit ca. 100–300 Euro bezahlt und laufen über 10 Wochen. Auch in Deutschland werden bereits gute Jahreskurse mit komplexen Interventionen für höhere Kursgebühren angeboten. Dass Lipolyse besonders durch eine Aufnahme gerade besonders weniger Kohlehydrate gefördert wird, ist eine Halbwahrheit. Wie lässt sich sonst eine Gewichtsreduktion mit z. B. hypokalorischer aber nicht kohlehydratarmer Ernährung erklären. Die Verbesserung der Insulinresistenz nach Gewichtsreduktion tritt unabhängig von der Art und Weise auf, wie das Gewicht reduziert wurde. Das Problem ist bei allen Diäten die Adhärenz, und diese wird umso schwieriger, je mehr abgenommen wird, je länger die Ernährungsveränderung bereits andauert und je extremer die Empfehlungen sind. Die durch Genetik, Programmierung und Hungerhormon gesteuerte Nahrungsaufnahme kann nur durch fortlaufende Programme und Anstrengung der Betroffenen reduziert werden. Das ketogene Diäten in Studienbedingungen im ersten Jahr erfolgreich sind, teilen sie mit anderen Diätformen. Entscheidend ist aber, ob Patienten Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en auch langfristig umsetzen können. Einjahresstudien sind für diesen Beweis viel zu kurz. Ob durch Low carb/High fat der Appetit weniger wird und dies langfristig als Ernährungsform empfohlen werden kann, bleibt unbewiesen. Zurzeit wird damit wieder eine neue Diätmode verkauft.

Dr. med. Mathias Brinschwitz, 35037 Marburg

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige