ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2018Pulmologie: Langzeitanalyse von Atem- und Atemnebengeräuschen

MEDIEN

Pulmologie: Langzeitanalyse von Atem- und Atemnebengeräuschen

Dtsch Arztebl 2018; 115(45): A-2081

Pankow, Wulf

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Zeitreihenanalyse biologischer Daten und Phänomene hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zur Pathogenese unterschiedlicher Funktionsstörungen gebracht. Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Pulsoximetrie und Polysomnografie sind hierfür Beispiele. In dem vorliegenden Buch stellen die Autoren um Koehler und Hildebrandt nun ein völlig neues Verfahren vor: die Langzeitregistrierung und -analyse von Atem- und Atemnebengeräuschen.

Das Buch wird eingeleitet mit Kapiteln um die Geschichte von Perkussion und Auskultation sowie die Darstellung der Grundlagen der pulmonalen Geräuschanalyse. Der Historienteil gibt einen Einblick in die Entwicklung des klassischen Stethoskops von Laennec bis hin zu den neuesten Entwicklungen der elektronischen Auskultation. Im Grundlagenteil werden vor allem Studenten und jüngeren Ärzten grundlegende Informationen über die Atem- und Atemnebengeräusche vermittelt. In einem Beitrag wird das neue Verfahren der akustischen Aufzeichnung und automatischen Analyse von Atem- und Atemnebengeräuschen unter verschiedenen Blickwinkeln vorgestellt: Es geht um Parameterdefinitionen, die Darstellung und Bewertung von Aufzeichnungen sowie um die Definition von Indikationsbereichen. Weitere Autoren beschreiben die Ergebnisse (nächtlicher) akustischer Langzeitregistrierungen bei Patienten mit Asthma bronchiale, COPD, gastrooesophagealem Reflux, Mukoviszidose, obstruktiver Schlafapnoe und Pneumonie. Die präsentierten Daten sind sehr interessant, in die bildliche Darstellung muss man sich als ungeübter Betrachter jedoch erst einfinden. Die Methode der akustischen Langzeitregistrierung respiratorischer Symptome (Wheezing/Husten) wird von den Autoren zu Recht als sinnvolle Ergänzung des pneumologischen diagnostischen Repertoirs – im Sinne von ambulanter Diagnostik, Therapieüberwachung und Erhebung von Gesundheitsdaten – propagiert. Mit dem vorgestellten Verfahren wird das punktuelle Hören mit dem Stethoskop zum „Hören in der Zeit-dimension“. Langzeitaufzeichnungen der Atem- und Atemnebengeräusche sind unter dem Aspekt nächtlicher Bronchialobstruktionen und Hustenereignisse vor allem bei Kindern von besonderem diagnostischen Wert. Im letzten Kapitel des Buches widmen sich die Autoren den interessanten Themen Atemfrequenz, Geräuschanalyse bei chronischer Herzinsuffizienz und Einbindung der Akustik in telemedizinische Verfahren.

Anzeige

Wenngleich in dem gesamten Themenbereich noch viel Innovation zu vermuten ist, so ist dieses Buch ein erster Meilenstein auf dem Weg dorthin. Allein die Themenbreite lässt weitere spannende Ergebnisse erwarten. Für jeden pneumologisch orientierten Arzt, insbesondere Kinderärzte und Ärzte in Ausbildung, ist das vorgelegte Buch zu empfehlen. Koehler und Hildebrandt leisten einen wertvollen Beitrag, die neuen Entwicklungen der Auskultation einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Wulf Pankow

Prof. Dr. Ulrich Koehler, Dipl.-med. Inf. Olaf Hildebrandt: Atem- und Atemnebengeräusche bei Kindern und Erwachsenen – Akustische Langzeitregistrierung und -analyse. UNI-MED Science, Bremen 2017, 112 Seiten, gebunden, 29,80 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema