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USA: Seltene Einigkeit

Dtsch Arztebl 2018; 115(45): A-2060

Schmitt-Sausen, Nora

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Im Kampf gegen die Opioidkrise zieht Washington an einem Strang: Präsident Trump, Republikaner und Demokraten haben nach langen Verhandlungen Hilfe auf den Weg gebracht.

Circa 72 000 Überdosis-Tote in 2017, Junkies auf den Straßen, Debatten über staatlich finanzierte Fixerstuben: Die Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten hat desaströse Ausmaße. Ende Oktober setzte Präsident Donald Trump seine Unterschrift unter ein 653 Seiten langes Gesetz, mit dessen Hilfe die Politik versuchen will, der Krise Herr zu werden. Was bei vielen Bürgern mit Schmerzmittelmissbrauch begann, hat sich zur Sucht nach Heroin, billigem Opioid-Ersatz oder Medikamentenabhängigkeit ausgeweitet. Die Krise trifft Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, US-Großstädte genauso wie ländliche Regionen. Republikaner und Demokraten hatten an dem Gesetz seit Monaten gemeinsam gearbeitet und es am Ende mit breitem überparteilichen Rückhalt durch beide Kammern des US-Kongresses gebracht. Mehr als acht Milliarden US-Dollar stehen in diesem Jahr für den Kampf gegen die Drogenkrise zur Verfügung.

Mehr Geld für Forschung und Stärkung der Prävention

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Zu den zentralen Punkten des Gesetzes zählen: Auch US-Krankenschwestern dürfen künftig Medikamente gegen die Opioidsucht verschreiben. Ersthelfer werden besser mit dem lebensrettenden Medikament Naloxon ausgestattet. Suchtkranke sollen leichter Therapieplätze bekommen. Die Bundesstaaten erhalten zudem mehr Flexibilität, wie sie Gelder aus Washington im Kampf gegen die Drogenkrise einsetzen wollen. Außerdem soll Geld in Forschung und Entwicklung fließen, um neue Schmerzmittel zu entwickeln, die nicht abhängig machen. Die Suchtprävention wird gestärkt. Ein weiterer zentraler Baustein: Die Verbreitung des synthetischen Stoffes Fentanyl soll möglichst unterbunden werden. Die gefährliche Substanz, die stärker ist als Heroin, gelangt vor allem auf dem Postweg in die USA, insbesondere aus China.

Mit dem von Donald Trump unterschriebenen Gesetz fließen mehr als acht Milliarden US-Dollar in die Bekämpfung der Opioidkrise. Foto: picture alliance
Mit dem von Donald Trump unterschriebenen Gesetz fließen mehr als acht Milliarden US-Dollar in die Bekämpfung der Opioidkrise. Foto: picture alliance

„Zusammen werden wir die Geißel der Drogensucht in Amerika beenden“, sagte Trump während der Unterzeichnung im Weißen Haus. Schon zuvor hatte er betont, wie wichtig die Investitionen seien, um Menschen aus der Sucht zu helfen. Das Gesetz trage dazu bei, „illegale Drogen aus unseren Gemeinschaften fernzuhalten, das öffentliche Bewusstsein und die Prävention zu stärken und Leben zu retten“. Vor genau einem Jahr hatte der Präsident in den USA den Gesundheitsnotstand wegen der herrschenden Drogenepidemie im Land erklärt.

Lichtblick: weniger Verschreibungen in 2017

Auch die Judikative ist mit der Drogenkrise beschäftigt. Vor US-Gerichten laufen aktuell mehr als 400 Verfahren – zumeist gegen Pharmahersteller und Händler von Opio-iden. Auch die Regierung in Washington geht juristisch gegen Mitverantwortliche der Krise vor. Auf der Anklagebank sitzen auch Ärzte. Ihnen wird das illegale Verschreiben und Verbreiten von Opioiden vorgeworfen.

Experten rechnen damit, dass weiteres Engagement nötig sein wird, um das Problem unter Kontrolle zu bekommen. Die Opioidkrise wird in den USA als dramatischer eingestuft als die öffentliche Gesundheitskrise durch Aids/HIV in den 1980er-Jahren. Die Regierung schätzt, dass 2,5 Millionen US-Bürger opioidabhängig sind. Andere Schätzungen gehen von Zahlen zwischen fünf und zehn Millionen aus.

Ein Lichtblick: Nach offiziellen Angaben aus dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium werden inzwischen weniger Opioide verschrieben. Mit 58,7 Verschreibungen je 100 Personen war die Rate im Jahr 2017 so niedrig wie seit zehn Jahren nicht. Dennoch: Insgesamt wurden 191 Millionen Opioid-Verordnungen ausgestellt. Im Spitzenjahr 2012 waren es 255 Millionen. Nora Schmitt-Sausen

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