ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2018Interview: Keine Monokultur
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Die Argumentation, die immer wieder von Vertretern psychodynamischer Therapie angeführt wird, dass die Versorgung durch Schulen-Vielfalt verbessert wird, teile ich nicht. Ja, es stimmt, was Herr Professor Leichsenring argumentiert, dass evidenzbasierte Therapien und Interventionen vielfältig angeboten werden sollten – dies sollte jedoch in Psychotherapieschulen unabhängig erfolgen! Im Übrigen ist die moderne Kognitive Verhaltenstherapie dabei schon deutlich auf dem Weg und ist mit ihren zahlreichen, vielfältigen, evidenz-basierten und integrativen Methoden in keinster Weise eine Monokultur.

Die Argumentation, dass die Vielfältigkeit durch verhaltenstherapeutisch orientierten Lehrstuhlinhabern an klinisch-psychologischen Instituten untermauert wird, hört sich für mich danach an, als ob dies aus psychodynamischer Sicht eine „bewusste“ Entscheidung darstellt. Dem ist doch nicht so! Psychoanalyse ist nicht Psychologie und Psychologie ist nicht Psychoanalyse! Die psychodynamischen Konzepte haben teils mehr ihre wissenschaftliche Nähe zur Geisteswissenschaft und zur Philosophie als zur Psychologie. Während die Verhaltenstherapie die Psychologie als „Mutter-Wissenschaft“ hat. Daher ist es doch logisch, dass die Lehrstühle an klinisch-psychologischen Instituten von verhaltenstherapeutisch orientierten Professoren begleitet werden. Im Übrigen sieht es bei medizinisch-psychosomatischen Lehrstuhlinhabern genau umgekehrt aus.

Dipl.-Psych. Martin Sauer, 35392 Gießen

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