ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2018Kinder und Jugendliche: Internetsucht aus psychoanalytischer Perspektive

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Kinder und Jugendliche: Internetsucht aus psychoanalytischer Perspektive

PP 17, Ausgabe November 2018, Seite 517

Eichenberg, Christiane

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Die Prävalenz der Internetsucht liegt bei jungen Menschen deutlich höher als bei Erwachsenen. So gelten ein Prozent der 14- bis 64-jährigen Deutschen als internetabhängig, 4,6 Prozent dieser Altersgruppe werden als problematische Internetnutzer eingestuft. Bei Jugendlichen und Adoleszenten (14- bis 24-Jährige) ist die Verbreitung am größten: 2,4 Prozent dieser Gruppe stellen abhängige und 13,6 Prozent problematische Internetnutzer dar. In Fachkreisen konsensuell ist, dass diese Patientengruppe besondere Behandlungsstrategien erfordern. Bislang liegen zwar sehr gute evidenzbasierte kognitiv-behaviorale Behandlungsmanuale vor, der therapeutische Beitrag aus psychoanalytisch-psychodynamischer Perspektive ist hingegen deutlich geringer. Dieses Desiderat greift der Berliner Psychotherapeut und Kulturwissenschaftler van Loh auf und legt ein Buch vor, das konsequent digitale Probleme von Kindern und Jugendlichen (aber auch Aspekte zur Therapie Erwachsener werden aufgegriffen) auf der Basis psychodynamischer Erklärungs- und Behandlungsansätze in den Blick nimmt. Mit sehr fundiertem Wissen und breiter klinischer Expertise gibt der Autor auch für Therapeuten anderer Schulrichtungen gut nachvollziehbare und in ihr therapeutisches Vorgehen integrierbare Handanweisungen, die an vielen Fallvignetten illustriert werden.

Van Loh gelingt es den Leser zu überzeugen, dass der Umgang mit Medien nur im Kontext bestehender oder fehlender äußerer und innerer Objektbeziehungen zu verstehen ist. Er arbeitet schlüssig heraus, dass dysfunktionale Mediennutzung sowohl als Teil der psychischen Abwehr, als auch als Symptom anderer psychischer Störungen (Ängste, Depressionen, Zwänge) aufgefasst werden kann, die im Fall von Kindern und Jugendlichen zudem die Entwicklung beeinträchtigen können. Es wird deutlich, dass im digitalen Zeitalter die derzeit herrschende klinische Reduktion auf die Diagnose Mediensucht der Vielfalt der neuen Phänomene nicht angemessen Rechnung trägt. Christiane Eichenberg

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Jan van Loh: Digitale Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, 247 Seiten, gebunden, 29,00 Euro

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