ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2018Hochsensible Menschen: Das Normale nicht überbewerten

BÜCHER

Hochsensible Menschen: Das Normale nicht überbewerten

PP 17, Ausgabe November 2018, Seite 518

Kuck, Bernd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Seit der Jahrtausendwende ist das Thema der Hochsensibilität mehr ins Bewusstsein gerückt. Besonders die amerikanische Psychotherapeutin Elaine Aron hat hier wichtige Vorarbeit geleistet und die Autorin Ulrike Hensel bezieht sich auf sie. Selbst arbeitet sie als Coach und bezeichnet sich ebenfalls als hochsensibel. Die Fachwelt wird zunehmend auf das Thema Hochsensibilität aufmerksam. Zwar ist der Begriff recht unscharf, führt jedoch zu mehr Sensibilität im Umgang mit Mitmenschen, was an sich schon von Wert ist. Die Thematik erinnert sehr an die Debatte um die Synästhesie. Auch hier wurde lange geleugnet, nur weil eben nicht alle Töne in Farben sehen. Die Überbewertung des Normalen führt häufig dazu, Menschen zu pathologisieren, nur weil sie eben anders wahrnehmen. Krank werden sie oftmals dadurch, dass man ihnen ihre Wahrnehmung abspricht, sie abwertet, weil sie „zu sensibel“ sind oder „alles auf die Goldwaage legen“. Und wer heute auf den Irrsinn des Straßenverkehrs und Alltagslärms mit Rückzug und Bedürfnis nach Stille reagiert, wird schnell als soziophob eingestuft und abgestempelt. Doch nicht alle Gehirne ticken gleich (siehe Synästhesie). Die ewige Forderung nach Normierung führt ja häufig zur Entindividualisierung und Pathologisierung (Schüchternheit im DSM V). Normopathie kann auch zu einem gesellschaftlichen Phänomen werden. Wie häufig werden wohl Diagnosen gestellt, nur weil sich der Diagnostiker nicht einfühlen kann. Mehr Fingerspitzengefühl in der Wahrnehmung des Gegenübers ist allemal hilfreich.

Für eine erste Heranführung an das Thema der Hochsensibilität ist das Buch geeignet. Bernd Kuck

Anzeige

Ulrike Hensel: Hochsensible Mitmenschen besser verstehen. Unterstützung für Partner, Familienangehörige, Freunde, Kollegen und Vorgesetzte. Junfermann Verlag, Paderborn 2018, 208 Seiten, kartoniert, 20,00 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema