ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2018Unternehmensberater: Unbeackertes Goldland
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Ab Mitte der 199er-Jahre zogen Heerscharen an beschlipsten und kostümierten Ökonomen/-innen in die Teppichetagen der Kliniken und fanden auf Stationsfluren und in OPs – ihrer Meinung nach – betriebwirtschaftlich unbeackertes Goldland vor, weil statt DRGs und Doppelcontrollern damals noch Daseinsfürsorge und Doktoren das Haus regierten. Mag manch ein Chefarzt mit geschnürtem Lederschuh und gestärktem Eppendorfkittel Videoendoskop, Volontär und Visitenwagen etwas arg derb herumgeschubst haben – eine Abteilung mit 130 Betten, zwölf Assistenten und vier Oberärzten hatte Wucht und Macht und ließ sich nicht alles gefallen. Parallel mit dem Aufkommen der DRGs wurden die einst großen Abteilungen auf mehrere Subdisziplinen mit jeweils geringerer Betten-, Personal- und Einflussstärke aufgesplittet, sodass im Sinne des divide et impera von nun an der Geschäftsführer als erstes auf dem großen Schild im Foyer prangte, danach der/die Pflegedirektor/-in und irgendwann darunter der Ärztliche Direktor. Seit Jahrzehnten zieht sich auch der Staat zunehmend aus seinen genuinen Wohlfahrtspflichten zurück und überlässt das Weben und Erhalten eines gesundheitlichen Sicherheitsnetzes den lautstark lamentierenden Zahlenpropheten diverser Lehrstühle für Gesundheitsökonomie, was in den inzwischen überwiegend protestantisch geprägten Regierungskreisen auf arbeitsethisch offene Ohren trifft. Die Ärzteschaft – von jeher nicht sehr gut im Kampf um ihren Eigenwert sozialisiert – wehrt sich kaum gegen die eigene Entwertung. ... Eine GOÄ-Novellierung oder gar eine faktische Widerstandsoffensive gegen den Ausverkauf des Arztberufs an die Unternehmemsberater findet ... seit über zehn Jahren nicht statt. Symbolpolitik braucht Symbole und Menschen brauchen Krankenhäuser. Wie die Feuerwehr. Dummerweise sind aber gerade diejenigen, die all das entscheiden und abschaffen, nie von eben diesen Entscheidungen persönlich betroffen. Und deshalb geht der Ausverkauf – leider – so weiter.

 Dr. med. Michael Feld, 50226 Frechen-Königsdorf

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