ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2018Sebnem Fincanci: Unerschrockene Kämpferin gegen Folter

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Sebnem Fincanci: Unerschrockene Kämpferin gegen Folter

Dtsch Arztebl 2018; 115(46): A-2137 / B-1767 / C-1745

Korzilius, Heike

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Sebnem Fincanci, Foto: dpa
Sebnem Fincanci, Foto: dpa

Die Gerichtsmedizinerin Sebnem Fincanci (59) setzt sich seit Jahren unter schwierigen politischen Bedingungen dafür ein, dass Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei dokumentiert und die Opfer rehabilitiert werden. Dafür wird sie am 28. November mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Er ist mit 25 000 Euro dotiert.

Fincanci, die in Istanbul geboren wurde, engagiert sich seit ihrer Studienzeit für Demokratie und Menschenrechte. Seit 2009 ist sie Vorsitzende der Türkischen Menschenrechtsstiftung. Zurzeit lehrt sie als Professorin für Forensik an der Universität Istanbul. Dass sie den Posten noch immer bekleidet, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn nach dem gescheiterten Putschversuch durch das Militär im Juli 2016 verloren Tausende regierungskritische Akademiker ihre Stellen. Auch Fincanci musste sich vor Gericht verantworten. Sie war kurz vor dem Putschversuch zusammen mit zwei Journalisten verhaftet worden, weil sie sich an einer Solidaritätsaktion für eine als kurdenfreundlich und regierungskritisch geltende Zeitung beteiligt hatte.

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Fincanci ist eine der Hauptautorinnen des „Istanbul Protokols“, das international als Leitlinie für die Diagnostik und Therapie von Folterüberlebenden gilt. „Das Protokoll hat einen medizinischen Standard festgeschrieben und damit auch die Rechte der Opfer gestärkt“, sagte Fincanci einmal dem Deutschen Ärzteblatt. Es habe eine Menge dazu beigetragen, die Menschenrechtslage zu verbessern. Denn die Täter wüssten nun, dass Opfer gründlich untersucht und die Ergebnisse gerichtsfest dokumentiert würden. Heike Korzilius

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