ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2018Pädiatrie: Kinder ganzheitlich behandeln

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Pädiatrie: Kinder ganzheitlich behandeln

Dtsch Arztebl 2018; 115(46): A-2134 / B-1766 / C-1744

Kummer, Karl-Reinhard

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Ein großes komplementärmedizinisches Lehrbuch der Pädiatrie mit 1 200 Seiten stellt die „Individuelle Pädiatrie“ dar, nun schon in der fünften Auflage aktualisiert. Im Kontext mit aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen hilft dieses Buch bei der Behandlung und Begleitung von akut und chronisch kranken Kindern in der kinder- und hausärztlichen Praxis. Zu einer vollständigen Betrachtung des Kindes gehört in jeder Medizin zum Beispiel die Wärme, auf deren Bedeutung an vielen Stellen des Werks hingewiesen wird. Zentral ist sie bei der Pneumonie oder den rheumatischen Krankheiten. Von den Grundlagen und der Pathologie wird der Weg zur Therapie aufgezeigt, zum Beispiel in der Sinnesphysiologie oder der Epileptologie. Oft erklärt die Embryologie das akute Geschehen: Die embryonal aus dem Vorderdarm stammende Lunge bei der Pneumonie macht einen Rückschritt in ihr
pseudoglanduläres Dasein; die Geburt erscheint mit ihrem maximalen
CRH-ACTH-Cortisol-Spiegel als ein Urbild eines Aufwachens. Das Hauptanliegen der Autoren ist es, den Weg zu einer individuellen Therapie zu beschreiben, immer die eigenen Fähigkeiten des Kindes in den Vordergrund zu stellen und nur so weit den Krankheitsprozess zu supprimieren, wie er dem kindlichen Organismus zu entgleiten droht.

Neben den täglichen Krankheiten werden Spezialgebiete in Zusammenarbeit mit kompetenten Spezialisten dargestellt: die Neonatologie mit über 50 Seiten durch Benedikt Huber, die Kinderkardiologie mit fast 40 Seiten durch Ulrike Bartram und auf über 50 Seiten die Epileptologie durch René Madeleyn. Eine Stärke des Buchs liegt in der Schilderung von therapeutischen Problemgebieten wie Neurodermitis, Asthma, Mukoviszidose, Purpura Schoenlein-Henoch oder Krankheiten des rheumatischen Formenkreises. Den psychosomatischen Störungen und ihrer Pathophysiologie sind fast 200 Seiten gewidmet und Wege zu einem Verständnis gezeigt. Hingewiesen wird auf die Bedeutung tieferer alter Traumata oder familiärer, traumatisierender Konstellationen. Hier wie auch bei den scheinbar somatischen Krankheitsbildern werden die aktuellen Nöte des Kindes und seiner Familie in der Sprechstunde exemplarisch verständlich. Untergründige Ängste erscheinen als bahnende Vorgeschichte auch bei vielen somatischen Krankheitsbildern, oft illustriert durch sprechende Fallvignetten.

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Freilassend und umfassend werden die differenzierten Therapie-Möglichkeiten dargestellt, inklusive einer rationalen Differenzialtherapie nach Konstitution, Vorgeschichte oder Umfeld, häufig mit konkreten Hilfen: Wann ist eine ambulante Behandlung der Pneumonie möglich, wie ist ein Senf-Brustwickel oder ein Ingwerwickel anzulegen. Ein Sachregister von 27 Seiten (!) und das Arzneimittelregister machen schon die Printversion zu einem schnellen Nachschlagewerk im Alltag. Für jeden, der Kinder komplementärmedizinisch und solide behandeln möchte, ist dieses Werk eine ideale Hilfe – sowohl Erfahrene als auch Anfänger. Karl-Reinhard Kummer

Georg Soldner, Hermann Michael Stellmann: Individuelle Pädiatrie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2018, 1 202 Seiten, gebunden, 128 Euro

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