ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1996Knochendichtemessung: Pro und Contra der Osteodensitometrie

POLITIK: Medizinreport

Knochendichtemessung: Pro und Contra der Osteodensitometrie

Becher, Franziska

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LNSLNS Um die Finanzprobleme der ambulanten Versorgung in den Griff zu bekommen, sollen nach den Vorschlägen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nicht nur "versicherungsfremde" Leistungen aus dem Katalog der GKV herausgenommen werden. Es gehe auch darum, so KBV-Vorsitzender Dr. Winfried Schorre auf dem Ärztetag in Köln, Leistungen in die Diskussion zu bringen, die nicht aus dem medizinischen Angebot zu eliminieren seien, aber nicht von der Solidargemeinschaft finanziert werden müßten: "Ich nenne hier beispielhaft die Osteodensitometrie, die Akupunktur und alle Maßnahmen der künstlichen Befruchtung."
Die augenblickliche Situation von Anwendung und medizinischer Bewertung der Osteodensitometrie ist unbefriedigend und wird höchst kontrovers diskutiert. Als Hauptgründe für die derzeitigen Probleme, welche diese Untersuchungsmethode mit den Begriffen "zweifelhaft" oder "unnütz" belegen läßt, werden genannt:
1 Unterschiedliche Meßtechniken, Meßorte und Maßeinheiten
1 fehlerhafte Messung
1 fehlende Indikation
1 zu häufige Messung
1 falsche Interpretation der Meßergebnisse
1 unzureichende Referenzkollektive.
Zur Zeit liegt der jährliche Aufwand für diese Untersuchungsme-thode bei etwa 100 Millionen Mark. 1991 ist bereits in einigen Bundesländern ein Prozent der Mittel, die von der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung für den ambulanten Bereich zur Verfügung gestellt wurden, für densitometrische Untersuchungen ausgegeben worden. Vor diesem Hintergrund hat eine Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Osteologie e.V. (DGO) die Indikationen zur Knochendichtemessung und die Interpretationen der Meßergebnisse kritisch durchleuchtet. Die Experten vertreten die Auffassung, daß nur dieses Vorgehen den Mißkredit, in den die Osteodensitometrie geraten ist, beseitigen kann und empfehlen deshalb:
1 Konzentration auf moderne Meßtechniken: DXA, QCT, pQCT
1 Standardisierung des Meßortes zur Diagnose und Therapieüberwachung: LWS, proximales Fremur, distaler Radius
1 Erarbeitung gültiger deutscher Referenzkollektive für die empfohlenen Meßtechniken und Meßorte
1 regelmäßige interne und externe Qualitätskontrolle mit standardisierten Phantomen (European Spine Phantom, European Forearm Phantom)
1 höhere Qualifizierung der Anwender, die durch Prüfung nachgewiesen wird,
1 Wiederholungsmessungen
frühestens nach zwölf Monaten, Ausnahmen nur mit Einzelbegründung
1 bis dahin immer dasselbe Gerät benutzen und denselben Ort messen.
Als Indikationen für eine Osteodensitometrie gelten:
In der Prophylaxe – Risikogruppen:
– vorzeitiger Östrogenmangel
– familiäre Belastung
– Patienten mit osteopenisch wirksamen Therapien
Im Rahmen der Diagnose:
– Patienten mit klinischer Symptomatik
– Patienten mit röntgenologischen Zeichen einer Osteoporose
– Primäre Osteoporose
– andere generalisierte Osteophathien (1. Osteomalazie, 2. diffuses Plasmozytom)
– Patienten mit Spontanfrakturen oder Frakturen nach Bagatelltraumen
Unter Therapie:
– Patienten mit osteopenischen Erkrankungen und manifester Osteoporose (Messung an nicht frakturierten Skelettanteilen)
– Therapieüberwachung.
Die Hauptindikation zur Messung der Knochendichte liegt in der Therapieüberwachung. Nur durch diese Messung sei es möglich, so die Experten, frühzeitig Erfolg oder Mißerfolg einer knochenaufbauenden Therapie festzustellen und unsinnige Therapien zu vermeiden. Als sinnvoll hätten sich Kontrollmessungen nach einem halben bis einem Jahr erwiesen, weil in bestimmten Situationen sehr rasch Knochen auf- oder abgebaut werden können. Die Osteodensitometrie gilt weltweit – außer in Deutschland – als anerkannte Methode.
Franziska Becher

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