ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2018Impfung gegen Herpes zoster: Adjuvantierter Totimpfstoff für Zoster-Prophylaxe ab 50 Jahren ist hoch protektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Impfung gegen Herpes zoster: Adjuvantierter Totimpfstoff für Zoster-Prophylaxe ab 50 Jahren ist hoch protektiv

Dtsch Arztebl 2018; 115(47): A-2186 / B-1803 / C-1781

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Herpes zoster ist eine neurokutane Erkrankung (Gürtelrose), die als Folge einer Reaktivierung des im Körper latent vorhandenen Varizella-zoster-Virus (VZV) ausbrechen kann. Circa ein Viertel der Bevölkerung entwickelt im Lauf des Lebens Herpes zoster. Das Risiko, die Morbidität und die Mortalität durch die Erkrankung steigen mit zunehmendem Alter an, da die Immunabwehr im Allgemeinen schwächer wird. Im Jahr 2013 ist eine Vakzine gegen Herpes zoster aus abgeschwächten Lebendviren eingeführt worden. Die Schutzwirkung dieses Impfstoffs (Zostavax) ist offenbar begrenzt. Ein Studienteam um Andrea Tricco vom St. Michaelʼs Hospital in Toronto gibt die Schutzwirkung der abgeschwächten Lebendvakzine mit 57 % an. Es wurden Daten für das staatliche Canadian Institute of Health Research ausgewertet. Bei einem 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] von -61 bis + 84 % war dies nicht signifikant.

In Studien wesentlich effektiver war der in diesem Jahr auch in Europa eingeführte erste rekombinante, adjuvantierte Totimpfstoff (Shingrix). Er enthält das rekombinante VZV-Glykoprotein E. Die Schutzwirkung beträgt 94 % auf einen vom Arzt diagnostizierten Herpes zoster ([95-%-KI] [79; 98]).

In einem systematischen Review mit Metaanalyse von 27 meist randomisierten Studien (22/27) mit insgesamt 2 044 504 Probanden ab 50 Jahren haben die kanadischen Forscher die beiden Impfstoffe verglichen. Der adjuvantierte rekombinante Impfstoff (HZ) war um 85 % effektiver als der attenuierte Lebendimpfstoff (ZVL; [31; 98]; Odds Ratio für Herpes zoster [HZ] vs ZVL: 0,15). Im Vergleich zu Placebo beugte der Impfstoff HZ um 94 % [79; 98] besser einer Herpes-zoster-Erkrankung vor. Dies seien nicht Ergebnisse eines direkten Vergleichs, sondern der Netzwerk-Metaanalyse, so die Autoren. Einen direkten Vergleich der beiden Impfstoffe gebe es bisher nicht. 

Auch bei nicht bestätigten Verdachtsfällen (+ 63 % [43; 80]) und dem gefürchteten Zoster ophthalmicus (+ 88 % [16; 100]) hat sich der neue Impfstoff als effektiver erwiesen. Lediglich beim Schutz gegen eine postzosterische Neuralgie, der wesentlichen Stärke des Lebendimpfstoffes, ist der Vorsprung in der Effektivität gering (87 vs.
66 %). Ein Nachteil des neuen Impfstoffes könnte darin gesehen werden, dass 2 Impftermine erforderlich sind (Abstand mindestens 2, bis zu 6 Monaten), während der Lebendimpfstoff nur einmal verabreicht werden muss. Der rekombinante Impfstoff enthält außerdem ein Adjuvans, was möglicherweise die etwas schlechtere Verträglichkeit erklärt. Sie betrifft in erster Linie Lokalreaktionen am Injektionsort (zu 79 % häufiger als bei ZVL; Risk Ratio: 1,79; [1,05; 2,34]). Auch systemische Nebenwirkungen traten zu 87 % tendenziell häufiger auf (Risk Ratio: 1,87 [0,88; 2,96]; n. s.). In Deutschland wird die Impfung älterer Menschen gegen Zoster derzeit nicht von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

Fazit: Der in diesem Jahr eingeführte rekombinante, adjuvantierte Zoster-Impfstoff schützt ältere Menschen wahrscheinlich besser vor einer Gürtelrose als die attenuierte Lebendvakzine, verursacht aber häufiger Nebenwirkungen, vor allem Lokalreaktionen an der Injektionsstelle. Rüdiger Meyer

Tricco AC, Zarin W, Cardoso R, et al.: Efficacy, effectiveness, and safety of herpes zoster vaccines in adults aged 50 and older: systematic review and network meta-analysis. BMJ 2018; 363: k4029.

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